Was machen die Nazis?

Für uns heißt der Leitspruch klipp und klar: Revolution statt Reform! Kein Frieden mit den Feinden Deutschlands!“ (Autonome Nationalisten, Aktionsgruppe Rheinland)
Nationalsozialistische Internationale

Was machen die Nazis?

Sie sind weitaus moderner geworden und haben sich so an den Zeitgeist angepasst, dass es manchem schwer fallen dürfte, sie im Alltag zu erkennen. Jungnazis sind dazu übergegangen, Aufzug und Methoden der „autonomen Linken“ so zu kopieren, dass sie für einen Unbedarften oberflächlich kaum von ihnen zu unterscheiden sind. Nicht nur dem Namen nach („Autonome Nationalisten); wie sie („Rote Zellen“) organisieren sie sich in übers Internet locker vernetzten Zellen, bilden in Demonstrationen gewaltbereite „Schwarze Blocks“, adaptieren die Kleidung – gern schwarze Bomberjacke mit verhüllendem Palästinensertuch – schätzen Hip Hop und verkünden, es sei gleichgültig, welche Mode einer bevorzuge und wie lang seine Haare seien, Hauptsache, er sei dabei. Logos und Embleme werden einfach übernommen; statt „good night white pride“ heißt es dann eben „good night left pride“.

Nationaler Sozialismus

Autonome Nationalisten bezeichnen sich als Sozialisten; eben Nationalsozialisten. Sie ordnen sich dem ‚linken’ Flügel der NSDAP um Strasser zu. Kapitalismus, Imperialismus und Globalisierung stellen sie dar als perfide Methoden, die Völker der Welt unter das Joch des Kapitalismus zu zwingen. In der ehemaligen DDR dürfte das vertraut sein, obwohl die Autonomen Nationalisten eher aus dem Westen stammen sollen; ihr Hauptverbreitungs- und Aktionsfeld ist dennoch der Osten. Insbesondere die Globalisierung betrachten sie als die Endphase des Kapitalismus, die mit der Zerstörung der Nationen enden wird, wodurch die Menschheit wieder zum äffischen Status mutiert. Der Kundige denkt an Hitler: ‚wird der Jude siegen, so wird dieser Planet wie einst menschenleer im Weltall kreisen’ (lt. Rauschning, der solche Sätze zumindest gut und treffend erfunden hat.)

In ihren Publikationen reden sich nicht von Juden, doch es ist klar, wer gemeint ist: „Menschen denen Grenzen und natürlich gewachsene Nationen ein Dorn im Auge sind und es sich daher zur Hauptaufgabe gemacht haben, diese aufzuweichen und eine so genannte „Eine Welt“ zu errichten.“; „Wir haben erkannt, daß der nomadische Händlergeist keine Grenzen seiner Profitsucht anerkennt und daher kein Volk auf dieser Erde vor dem Schicksal der Vermassung sicher ist.“; „Es handelt sich bei der Globalisierung ganz allgemein um das planetarische Ausgreifen der kapitalistischen Wirtschaftsweise unter der Führung des Großen Geldes. Dieses hat, obwohl seinem Wesen nach nomadisch und ortlos, seinen politisch-militärisch beschirmten Standort vor allem an der Ostküste der USA.“ (nicht im Mittleren Westen, wohlgemerkt). „In der Massengesellschaft, die sich aus Nomaden-, Sklaven-, Mobilitäts-, Ausbeutungs- und Dekadenzgesellschaft konstituiert“ (die Quellen dieser Aussagen wurden zwischenzeitlich aus dem Netz entfernt); Mit den „Nomaden“ sind natürlich die Juden gemeint. Autonome Nationale sind streng antisemitisch.

An der Ostküste der USA gibt es bekanntermaßen einige alteingesessene Großbanken und Finanzunternehmen, die jüdische Wurzeln haben. Ebenso erwähnt werden gern Politiker – wie z.B. Wolfowitz – die jüdischer Herkunft sind, ohne allerdings auf eben diese Herkunft zu verweisen, denn das weiß man ohnehin. Beschäftigt man sich nun ausschließlich mit Finanzmagnaten und Politikern jüdischer Herkunft, so entsteht im Kopf leicht das Bild, dass es andere wichtige gar nicht gäbe, weil sie gar nicht erwähnt werden und wenn, dann nur unter „ferner liefen“ als Masse.

Es gibt also einen klaren Zusammenhang zwischen Antisemitismus und nationalsozialistischem Antikapitalismus. Dem Kapitalismus wird die Absicht zugeordnet, den genormten, mobilen, jederzeit beliebig einsetzbaren Menschen ohne Individualität schaffen zu wollen, und zwar durch Globalisierung und Liberalisierung, was bedeutet, ihn auch durch Überfremdung mit Menschen anderer Herkunft (Ausländer) zu egalisieren und damit seiner Heimat, seiner Nationalität, seiner Kultur (darüber reden sie nach meiner Erkenntnis tatsächlich nicht, denn zu dem, was Hochkultur ausmacht, haben sie keinen Zugang. Kultur ist nun mal nichts Biologisches, unter Kultur verstehen insbesondere die meist doch recht kulturfernen modernen Nationalsozialisten eher Brauch und Sitte) zu entfremden.

Dieses nationalsozialistische Denken dürfte manch einem attraktiv erscheinen. Denn es ist ja tatsächlich so, dass es im Kapitalismus als Naturgesetz erscheint, dass der Mensch sich an die Wirtschaft, die zum gesetzgebenden Gottersatz wird, anzupassen habe, und wirtschaftlich am nützlichsten ist nun einmal der genormte, mobile Einzelmensch ohne Bindungen und ohne eigenes kritisches Denken. Während allerdings linksorientierte Intellektuelle fragen, was ist die Ursache und sich auf den mühsamen Weg wissenschaftlich orientierter Analyse begeben, fragt der nach Instinkt und Gefühl orientierte Antiintellektuelle, wer ist schuld, wer hat dies aus reiner Bösartigkeit fabriziert, und die Frage kann er immer beantworten, denn ein Schuldiger findet sich immer, wenn man einen finden will.

Nur ist der aus dem Hut gezauberte angebliche Schuldige keine Lösung. So hoffen auch Autonome Nationalisten auf durch völkischen Instinkt wiederbelebte nationale Solidarität, die jeden Deutschen „Deutschland zuerst“ denken und vor allem fühlen lässt, den Industriellen wie den Gelegenheitsarbeiter. Das ist natürlich reine, haltlose Sozialromantik, und als ideale Utopie betrachtet sie anscheinend den patriarchalisch orientierten Ständestaat nach mittelalterlichem Vorbild. Dass dieses glückliche Ideal zerstört worden ist, betrachten sie als Schuld des Kapitalismus und damit der Juden.
An dieser Stelle wird klar, dass der Sozialismus der modernen Nationalisten, trotz häufig adaptierter Wortwahl, mit den Gedanken Karl Marx’ überhaupt nichts zu tun hat. Denn während Marx als Hegelianer die Gesellschaften aus ihrem Sein heraus analysierte, menschliches wirtschaftliches Handeln als Folge der Entwicklung ihrer Lebensbedingungen begriff („das Sein bestimmt das Bewusstsein“), betrachten Autonome Nationalisten den Kapitalismus als ein Instrument, als eine Waffe, erdacht, um durch Zerstörung der Völker und folgend die Entmenschlichung des Menschen (worunter sie freilich etwas anderes verstehen als Philosophen) die Weltherrschaft zu etablieren – mit Hitler gesprochen, die Weltherrschaft des Antimenschen.

Für moderne Nationalisten ist das gesellschaftliche System aus einem Sollen entstanden: es ist so, weil einer das so gewollt und geplant hat.

Volk und Nation

Der antagonistische Gegensatz zum „nomadisierenden Kapitalismus“ ist die Nation. Der Begriff sagt nicht viel, wenn nicht gefragt wird, was denn damit gemeint ist.. „Ein Volk wird zur Nation, wenn es sich seines politisch – kulturellen Eigenwertes bewußt wird und sein Dasein als selbstständige sichtbare Ganzheit bejaht“ (Politisches Lexikon der NPD, eine Fundgrube für moderne nationalsozialistische Ideologie) – die Nation als an sich seiendes Phänomen. Oder vielmehr nicht die Nation, sondern das Volk, denn die Nation sei ja erst das Produkt der Bewusstwerdung eines Volkes, das sein eigenes Sein versteht. Das tut es natürlich nicht – selbst Nationalisten erwarten das nicht. Verstehen kann nur der Mensch, nicht ein Volk. Doch der Mensch, der das Sein seines Volkes versteht, versteht es für sein Volk, er versteht eben mehr, er versteht den Sinn, und hat demgemäß auch den Anspruch, das Volk nicht nur als Nation, sondern auch in die Nation zu führen. Für das Volk bleibt „Das Volk liefert dazu den biologischen, geschichtlichen und kulturellen Ausgangspunkt.“ (NPD). Den Ausgangspunkt, mehr nicht.

Vergleichen wir diese Aussagen mit anderen Nationenbegriffen, z.B. dem französischen, erkennen wir, dass man fast von einer Umkehrung des Begriffes sprechen kann. Denn ursprünglich ist die Nation das Primäre, wie auch in dem alten Wort vom „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“. Dieses Reich umfasste fast ganz Europa und der deutsche Kaiser residierte schon mal in Sizilien. Es umfasste also eine Vielzahl verschiedener Völker – was aber nicht sonderlich interessierte. Denn das einigende Band war der gemeinsame Geist, demgegenüber die biologische Volkszugehörigkeit unbedeutend war. Vielfach wurde sie gar nicht so recht wahrgenommen: Thomas wurde in Aquin in Italien geboren, studierte in Köln und lehrte an der Sorbonne in Paris. Bis heute fragt niemand danach, ob und wo in Europa er nun In- oder Ausländer war. Und auch in Frankreich gilt, dass der Esprit die Nation ausmacht; die biologische Einheit des Volkes, die stellt sich auf die Dauer durch Vermischung von ganz alleine ein. Was ja nun auch Tradition in der Kulturnation Europa ist.

Doch nicht Sprache oder Religion, sondern genetisch begründete gemeinsame Einstellungen bewirken nach Ansicht der Nazis die Gemeinschaft, eben die Volksgemeinschaft. Die ist eine Naturgemeinschaft, nicht bewirkt und miteinander verbunden durch irgend etwas Geistiges, denn Sprache und Religion sind Geistiges.
Dennoch ist Individualität bei Autonomen Nationalisten ein relativ starker Begriff, der in den Gegensatz zur uniformen kapitalistisch geprägten Masse gestellt wird. Sie behaupten jedoch, Voraussetzung dafür, überhaupt Individualität entwickeln zu können, sei die Bindung an Volk, Heimat, Nation – also letztlich immer wieder Blut und Boden. Auch das sieht nach einem Widerspruch aus, neigen doch Nationalsozialisten bekanntermaßen dazu, sich zu uniformieren. Jedoch muss man das unter dem Aspekt betrachten, dass in einer so aufgefassten Volksgemeinschaft kein Grund besteht, die allen gemeinsamen natürlichen Instinkte aufgrund allgemeinen zivilisatorischen Geistes zu unterdrücken. Wenn Männer das natürliche Bedürfnis haben, sich mit Alkohol voll laufen zu lassen, dann wird dieses Bedürfnis in einer nationalsozialistischen Volksgemeinschaft anerkannt, da es allen gemeinsam ist. So gesehen kann in einer solchen Volksgemeinschaft jeder seine individuellen Bedürfnisse auch entfalten. Wenn einer gefühlsmäßig aggressiv auf Homosexuelle reagiert, dann betrachten Nationalsozialisten es als uniforme Gleichmacherei, wenn die Gesellschaft ihnen verwehrt, ihr individuelles Gefühl auch in der Praxis auszuleben, den Homosexuellen also zusammen zu schlagen. In einer nationalsozialistischen Gesellschaft hingegen ist das möglich, denn für die handelt es sich bei solchen Gefühlen um gesundes Volksempfinden, das auch ausgelebt werden sollte.

Die Deutschen als Mischvolk kommen bei Nationalsozialisten nicht vor. Wenn Mischung, dann ist diese durch die verwandten germanischen Stämme entstanden; das allerdings wird offenbar als legitim angesehen. Andere Mischungen dürften sie als illegitim erkennen im Sinne der Entindividualisierung, denn wer Individualität einzig auf die individuellen biologischen Anlagen bezieht, für den ist die Vermischung unterschiedlicher Anlagen (vorausgesetzt, die sind überhaupt von Bedeutung, was zu bezweifeln ist) entindividualisierende Gleichmacherei.

Theorie des Nationalsozialismus

Oft wird auf intellektuelle Mängel der nationalsozialistischen Ideologie hingewiesen. Verkannt wird, dass ihm intellektuelle Theorien gar nicht relevant sind. „Während zum Beispiel Kommunisten gezwungen sind, sich durch mehrere Bände von Marx und Engels hindurch zu kämpfen, um den Nachweis erbringen zu können, Kommunist zu sein, während Christen die Bibel und Muslime den Koran kennen sollten, ist unsereins oftmals Nationalist, ohne jemals Bücher über nationalistische Theorie gelesen zu haben. Man ist es einfach vom Gefühl her.“ (NPD Göttingen) Es geht darum, die Welt durch die Instinkte und Gefühle, die durch die reine Anschauung als biologische Reaktion ausgelöst werden, zu begreifen, den Menschen als rein biologisch funktionierende Rudeltier zu verstehen. „Der Nationalismus ist die politische Ausprägung des Territorialverhaltens und dient der Arterhaltung, also einem biologischen Grundprinzip. Nationalismus ist Fortschritt im Sinne der Evolution.

Hier erkennen wir eines der zentralen Dogmen des Nationalsozialismus: es wird negiert, dass der Mensch ein zur Reflexion fähiges Wesen sei. Denn aus der Reflexion des eigenen Tuns folgt logisch zwingend die Abgrenzung gegen all das, was dieses Tun nicht ist und damit die Möglichkeit, dass es auch anders sein könnte. Und eben dieser Möglichkeit folgt die Wahlfreiheit, die Freiheit der Entscheidung: lasse ich das so, oder soll ich es anders machen? Damit aber kommt die Ethik ins Spiel. Denn von technischen Entscheidungen abgesehen ist die Frage, ob ich etwas so lassen will, so, wie der natürliche Ablauf der Dinge ist, oder ob ich da eingreifen will, im Kern immer eine ethische Frage: will ich das so, wie es ist? Das aber ist das spezifisch Menschliche. Die Ignoranz der Folgen der Reflexionsfähigkeit, nämlich die Willensfreiheit, ist immer die Ablehnung des Menschlichen schlechthin.

An die Stelle der durch die Reflexion gewonnenen Alternativen werden Gefühl und Instinkt gesetzt. So funktioniert der Mensch als biologisches Wesen, und so, nach Gefühl und Instinkt, soll er auch handeln. Freilich wäre das nur möglich, wenn er um seine Gefühle und Instinkte nicht weiß, denn sobald er das weiß, kann er sich auch anders entscheiden. Dieses Dogma enthält also einen Grundwiderspruch: wäre es tatsächlich so, wie das Dogma behauptet, dann wäre es gar nicht möglich sich zu entscheiden, dem Dogma zu folgen. Denn dann gäbe es gar keine alternative Handlungsmöglichkeit. Der Nationalsozialismus verlangt jedoch, dass diesem Dogma zu folgen sei und ist also von vorn herein auf einem Widerspruch aufgebaut.

Um das Dogma halten zu können, um die freie Entscheidung – und damit auch die lästige Verantwortung für diese Entscheidung – umgehen zu können, bedarf es einer Soll-Norm, einer übergeordneten Macht, der der Mensch um des eigenen Heils willen zu folgen hat. Diese normative Macht ist das So-Sein selbst. Der Mensch ist So-Seiendes im So-Sein, von ihm geschaffen, von ihm gehalten, und wenn er sich im So-Sein erhalten und sich seines Daseins erfreuen will, dann muss er sich in das So-Sein einfügen, muss seinem als Naturgesetz aufgefasste So-Sein folgen, denn andernfalls wird die Strafe der Natur fürchterlich sein: das Menschengeschlecht (wahlweise diese Rasse, dieser Stamm, diese Familie) geht zugrunde. Wobei es nach dem Willen der personifizierten Natur ganz normal und in Ordnung sein soll, wenn Menschengruppen sich gegenseitig ausrotten und zum Aussterben zwingen; was übrig bleibt, ist dann der – vorübergehende – Gipfel der Evolution, jedenfalls so lange, bis sich daraus wiederum Menschengruppen entwickelt haben, die sich wieder gegenseitig bekämpfen und damit die Evolution vorwärts treiben. Das ist nicht wissenschaftliche Evolutionstheorie, sondern Mythos, denn diese Gedanken basieren auf einem weiteren Dogma: dem Glauben an die personifizierte, wollende, planende, richtende Natur, die zu einem Gott erhoben wird. Deswegen ist es unverzichtbar, dass am Boden des Nationalsozialismus das Mythische steht, das Religiöse. Nazi geht nicht ohne Mythos und Religion.

Es ist dies ein klarer Rückschritt gegen die mindestens 2.500 Jahre alten Erkenntnisse menschlichen Geistes, der sich nämlich gerade von der reinen Betrachtung des So-Seienden (Physik) gelöst hat, nach seiner eigenen Erkenntnis- und Entscheidungsmöglichkeit und deren Ursachen kritisch fragt und zu dem Ergebnis kommt, dass es ihm nicht möglich wäre, das Einzelne zu erkennen, würde er es nicht stets als im Ganzen stehend anschauen, in der Welt, im Sein, im Einen.

Sich auf eine normative Macht zu berufen, ob dies nun das So-Sein der natürlichen Welt oder irgend ein Gott ist, ist freilich bequemer, denn die unangenehme Begleiterscheinung der Entscheidungsfreiheit ist die Verantwortung, und das ist die Ursache solcher Denkweisen: die Verantwortung wird gescheut.

Am Boden steht die Feigheit. Die Feigheit, ein Mensch zu sein.

Nationalsozialismus und Antisemitismus

Für Nazis sind Juden kein Volk. Ein Volk bedarf ihrer Ansicht nach notwendig eines Territioriums, und die Juden haben keines, keines, das sie seit alters her bewohnen. Ihrer Ansicht nach sind es Nomaden, und Nomaden bilden keine Völker.
Oswald Spengler („Der Untergang des Abendlandes“), von dessen Denken die Nazis sich viel angeeignet haben, betrachtete Völker als eine Art mythisches Gewächs des Bodens. Ein recht alter Mythos, wenn wir an die griechische Sage von Deukalion und Phyrra denken. Die, von der Menschheit allein übrig geblieben, erhielten von den Göttern den Rat, die Knochen ihrer Mutter hinter sich zu werfen; nach einigem Rätseln fanden sie heraus, mit der Mutter sei die Erde gemeint, mit ihren Knochen die Steine. Also warfen sie Steine hinter sich und so entstand eine neue Menschheit.

Dass die Nazis den Juden diese Erdverbundenheit absprachen, erklärt Rauschning mit dem wie üblich gut erfundenen angeblichen Hitler-Zitat, wonach die Juden Antimenschen, Geschöpfe eines anderen Gottes sein sollten. Sie seien also nicht aus dem ‚richtigen‘ mit Erde und Natur verbundenen Gott entstanden, sondern ein anderer müsse sie bösartigerweise von außen in die Schöpfung gesetzt haben. Wo sie nicht hingehörten .

Die ‚Abartigkeit‘ der Juden wird also damit begründet, dass sie keine natürliche, genetisch bedingte Bindung an Volk und Boden hätten, wie ‚jeder normale Mensch‘. Da sie aber behaupten, jeder normale Mensch auf der Welt habe eben diese Bindung, wäre die Konsequenz, dass es längst keine Juden mehr gäbe, weil verdrängt, wenn sie nicht die perfiden Instumente mosaische Religion und Kapitalismus erfunden hätten, um eben diese nationalen Bindungen aufzulösen.

Da Juden kein Volk bilden, können sie sich auch ihres Volkstums nicht bewusst werden, also auch keine Nation bilden.

Sie werden als eine Rasse betrachtet, und zwar als eine entartete, eben weil sie kein Volk auf einem festen Territorium bilden. Sie sind ein beständiger Fremdkörper in anderen Völkern, die sie wie ein Parasit zwecks eigenen Überlebens umformen und in ihren Dienst stellen Autonome Nationalisten (und auch die alte NPD) betrachten Kapitalismus, Liberalismus und Globalisierung als jüdische Strategie, die Völker umzuformen und so zu zerstören.

An dieser Stelle sei gesagt, dass moderne Nazis sich zumindest in Deutschland nur selten öffentlich klar antisemitisch äußern; sie fürchten das Strafrecht. Wer jedoch mit der alten nationalsozialistischen Ideologie vertraut ist, wird hinter ihren Aussagen unschwer den alten Antisemitismus wieder erkennen.

Ebenso wird das Wort „Rasse“ aus dem Sprachschatz in- und ausländischer Nationalsozialisten zunehmend gestrichen; es ist allzu übel beleumdet, nicht nur in Deutschland, sondern z.B. auch in den USA. Im Gleichzug wird ein anderes Wort zunehmend populär: Ethnie, ein Wort aus der Völkerkunde. In der Völkerkunde bezeichnet „Ethnie“ jedoch keine biologische, sondern eine soziale Gemeinschaft. Da aber Nationalsozialisten postulieren, dass es eine enge soziale Gemeinschaft außerhalb der Rassenschranken nicht geben kann, dient ihnen das Wort „Ethnie“ als identischer Ersatz für das Wort „Rasse“.

Antisemitismus läuft in erster Linie aber über die Religion. Nun wird echte Religiösität den Juden abgesprochen. Hier tat sich vor allem Otto Weininger hervor, selbst jüdischer Herkunft und von einer Nazi-Größe als der einzige ihm bekannte gute Jude bezeichnet – und der habe sich umgebracht. Statt dessen wird die Religion und mit ihr die humane Ethik überhaupt zur von den Juden erfundenen Lüge erklärt, die den gleichen Zweck erfülle wie Kapitalismus, Liberalismus und Globalisierung, nämlich, durch ihre naturfremden Normen die Völker zu zerstören und in die Sklaverei zu bringen. Denn die humane Ethik steht im Zweifel im Widerspruch zu den biologischen Gefühlen und Instinkten.

Die normale biologische Verhaltenssteuerung läuft vorwiegend über die Gefühle. Denen freilich oft Instinkte zugrunde liegen, z.B. die Revierverteidigung. So gesehen verhält sich der ordinäre Kleinstädter, der, wenn er einen Farbigen auf ’seinem‘ Bürgersteig sieht und diesen erst mal, aus dem Bauch heraus, also dem Gefühl, ‚anknurrt‘, nicht anders als der Hund, wenn er einen anderen in seinem Revier antrifft (na gut – bei Weibchen ist auch Mensch etwas toleranter).

Problematisch ist die Sache dann, wenn Mensch zu dem Standpunkt kommt, dass genau dies, die biologischen Steuerungen und das ihnen folgende Handeln, gut und normal und richtig ist, hingegen die überlegte Entscheidung gegen ein solches Handeln naturwidrig, abartig und letzlich böse. Es ist dann eine Umwertung der Werte (dies nun allerdings wirklich ganz anders, als Nietzsche es meinte), nach der das Humane, das, was das eigentlich Menschliche ausmacht, als geistige Verirrung angesehen und entsprechend verfolgt wird. Als Quelle dieser ‚geistigen Verwirrung‘, also des Humanums, gilt im christlich geprägten Abendland das Judentum mit seiner Thora.

So ist Antisemitismus nichts, was sich in irgend einer Weise durch das So-Sein oder das Verhalten der Juden begründen ließe, vielmehr steht das Judentum und seine Angehörigen als Urheber und Verkörperung der humanen Ethik, die es mit dem Judentum zu vernichten gelte. Denn die humane Ethik sei es, die die naturgewollte biologische Entwicklung des Menschen hin zum höheren Menschentum systematisch und absichtlich verhindere.

Der Niedergang des Christentums macht auch vor den Nationalsozialisten nicht halt. Auch wenn Himmler sich eine eigene esoterische Synkrasie zusammen baute und damit bei seiner SS missionieren ging, so beriefen sich doch die meisten Altnazis auf das – wenn auch ‚arisierte‘ Christentum. Ihre modernen Nachfolger hingegen berufen sich eher auf das altgermanische Heidentum und akzeptieren das Christentum nur insoweit, als dass es germanisch beeinflusst ist (Julfest, Fest der Astarte, Polytheismus in Dreieinigkeit und Mutter Gottes usw.). Etliche behaupten, alle mosaischen Religionen strebten, wie der Kapitalismus, nach Weltherrschaft, und das läge am ihnen zugrunde liegenden Judentum.

Warum denken diese religiösen Fantatiker eigentlich, dass sie mit ihren Wüstengesetzen bei uns im Europa, ganz speziell natürlich Deutschland und Skandinavien, eine Grundlage haben? Die Urreligion war das Heidentum, welches wir nicht in alle Welt exportieren; ganz zu Schweigen mit Gewalt durchsetzen wollen!“(Nordisches Hilfswerk)

Hier sei nochmals Spengler erwähnt. Der betrachtet die Geschichte als eine Abfolge großer Kulturen, entstanden aus einer großen Seele, die in den bodenständigen Menschengewächsen eines Gebietes plötzlich entstanden sei und sich allgemein verbreitet habe. Der antiken Kultur sei die magische arabische Kultur gefolgt, wobei er problemlos Juden und Perser zu den Arabern schlägt. Eine Neuerung der magischen Kultur sei gewesen, dass die Nation nun nicht mehr, wie in der antiken Kultur, sich auf die Polis oder die Region beziehe, sondern durch Menschen gleichen religiösen Glaubens konstituiert wurde. Ein Nationenbegriff, dem klassische Nationalsozialisten natürlich grimme feind sind. Das eigene ‚bodenständige‘, nicht exportwillige und nicht exportfähige Heidentum erscheint da als nur konsequent.
So wird von ihnen auch behauptet, der nach Allwissenheit strebende Odin verkörpere doch viel eher germanisch-deutsche Mentalität als der christliche Gott. Der christliche Gott sei also etwas volksfremdes.

Ideologie und praktisches Handeln

Der Mensch ist des Feigen Feind. Denn der fordert den verantwortungsscheuen Biologisten dadurch heraus, dass er sich anders entscheidet. Er wählt also eine andere Alternative und zwingt dadurch den Biologisten zu überlegen, ob er sich nicht auch anders entscheiden könnte/müsste. Das allerdings passt ihm ganz und gar nicht. Und es reicht ihm auch nicht, diese anderen Entscheidungen als entartet oder krank abzuqualifizieren, denn die Herausforderung besteht ja darin, dass sie existieren. Letztlich gibt es für den Biologisten nur die Möglichkeit, dieser Herausforderung zu entgehen, indem er die Herausforderer mundtot macht. Denn wenn sie nicht mehr entscheiden können, hat er damit auch keine Probleme mehr. Gewalt ist also notwendige Konsequenz.

Autonome Nationalisten berufen sich auf die Theorie der NPD – falls sie sich überhaupt auf theoretische Erwägungen berufen, denn, wie gesagt, nötig ist das nicht; unreflektiertes biologisches Gefühl und Instinkt reichen völlig aus, denn sie werden ja als die im Einklang mit der Ordnung der Natur stehenden Impulse betrachtet. Jedoch ist das System ihres Denkens zu verstehen, um ihr Handeln zu verstehen.

Für sie ist das Volk eine biologische (rassemäßige) Einheit, beeigenschaftet mit gleichen Gefühlen und Impulsen; aus dieser Erkenntnis wächst das Bewusstsein der Nation. Die Nation ist erdverbunden wie das Volk (Blut und Boden), also ortsgebunden. Als solche verweigert sie Fremden Zutritt und Einfluss. Das Volk wird als ein Körper betrachtet – mit dem/den Führern als Kopf – dessen Zellen (der einzelne Mensch) nur innerhalb des Körpers Sinn und Bedeutung haben, nur in ihm lebensfähig sind und andererseits jeweils um des eigenen Daseins willen verpflichtet sind, den Körper gesund und in Funktion zu halten. Ein Gedanke, der im christlich geprägten Abendland sehr nahe liegt: die Kirche als der Leib Christi und Jesus als ihr Haupt. Dieser Körper wird nun systematisch und böswillig von denen zerstört, die genetisch bedingte Nomaden sind, nicht ortsgebunden und deswegen auch unfähig zur Entwicklung eines Nationalbewusstseins, das ihnen wesensfremd ist und die deswegen von den Nationen von der Erde verdrängt werden würden, also natürlich den Juden. Das ist der Hauptfeind; die Fremdenfeindlichkeit zwecks Reinhaltung von Volk und Rasse ist demgegenüber lediglich eine Art chirurgischer Operation. Aus der Existenzgefährdung des Körpers der Nation durch böswillige Zerstörung wächst die Überzeugung, notwehrberechtigt zu sein. Hier muss man sich klar machen, dass in der Notwehr alles erlaubt ist: auch Mord und Totschlag.

Aggressiv gegen andere Kulturen sind Nationalsozialisten jedoch nicht von vornherein, vorausgesetzt, diese Kulturen befinden sich in ihren eigenen Territorien, obgleich die Auffassung der eigenen rassischen Überlegenheit natürlich durchschimmert. Internationales Ziel ist die Autarkie jedes Volkes und sein Verbleiben in seinem Territorium mit staatlich gelenktem Handel. Also ein Nebeneinanderleben bei möglichst hohen Grenzwällen. Aggression gegen Ausländer wird damit gerechtfertigt, dass es sich eben um völkische Notwehr gegen die vernichtende Überfremdung handle. Diese eingewanderten Ausländer sollen – zur Not durch Aggression – zur Rückkehr in ihre Heimatländer bewegt werden; politische Forderung sind „Rückführungsprogramme“.

Am 1. Mai 2008 gab es eine Demonstration, bei der lt. Einsatzleiter der Polizei nur mit großer Anstrengung verhindert wurde, dass es Tote gab – wegen der hohen Aggressivität des „Schwarzen Blocks“ der Autonomen Nationalisten (geschätzt 400 bis 600 Mann). Am 20. Juli 2008 wurde bei einem Überfall Autonomer Nationalisten auf ein Campinglager einer eher linksorientierten Jugendgruppe ein dreizehnjähriges Mädchen lebensgefährlich verletzt. Und vor wenigen Tagen wurde im Oberbergischen, mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls von Autonomen Nationalisten, ein Siebzehnjähriger nachts hinterrücks überfallen, zusammengeschlagen und liegen gelassen, weil der sich zu seiner jüdischen Herkunft bekannte. Das ist verdammt viel in wenigen Monaten, und ich fürchte, wir werden uns da noch auf einiges gefasst machen können, gegen das der islamistische Terror uns nur als ein mildes Säuseln erscheinen wird.

„Wir sind keine BRD-Patrioten, welche – im Stil von rechtskonservativen Parteien wie den Republikanern und auch der DVU – versuchen dieses System zu retten. Ein Staat, der seine Bürger tyrannisiert, unterdrückt und an freier Meinungsäußerung zu hindern versucht, kann nicht erneuert, sondern nur durch einen Volksstaat ersetzt werden.

Nationalsozialistische Internationale

Auch eine biologistische Theorie ist etwas Geistiges und somit nicht von der Biologie, der Genetik des sie denkenden Menschen abhängig. Eine Theorie, die die Gefühle des Menschentieres zum Ausgangspunkt hat, ist zwangsläufig universal, denn die biologischen Funktionen des Menschen sind allüberall gleich angelegt. Und so ist denn auch der Nationalsozialismus, obwohl er sich auf das eigene Volk, die eigene Rasse beruft, international verbreitet.

Ausgangspunkt Gefühl: das muss also da sein, damit die Verbreitung der Ideologie überhaupt einen Angriffspunkt hat. Es sind vor allem zwei Gefühle, die solche Angriffspunkte sind: zum einen die Existenzangst, ausgelöst durch eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen, durch die man die eigene ruhige Existenz bedroht sieht und bei der nicht nach der Ursache, sondern nach dem Urheber gesucht wird; zum anderen ist es eine soziale Entwicklung, die einer sozialen Gruppe die als selbstverständlich geglaubten Privilegien entzieht. Beides ist meist miteinander gekoppelt. Für einen deutschen Schüler, der sich ‚den Türken‘ gegenüber wegen ihrer andersartigen Sprache und andersartigen Kultur überlegen fühlt und ihnen großzügig ein paar Krümel vom Tisch der Bildung zu gewähren bereit ist, die er selbst jedoch nur als eine Art nicht lebensnotwendiges Schmuckstück betrachtet, ist die Welt so lange in Ordnung, wie seine türkischen Mitschüler seinem Klischee entsprechen. Aus den Fugen gerät sein Weltbild dann, wenn sie sich als echte Konkurrenz erweisen, wenn sie bessere Noten und damit bessere Zukunftschancen erbringen als er selbst. Er wird dann zwar diejenigen beschimpfen, die seinem Klischee entsprechen und das nicht tun, gemeint sind jedoch die anderen, die Erfolgreichen. Bei den Juden war das nicht anders. Als negativ augenfällig dargestellt wurden vorwiegend die vergleichsweise isoliert lebenden armen Ghettojuden. Die tatsächliche Stoßrichtung wurde jedoch unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten klar: Enteignung und Berufsverbote für die Konkurrenz.

Nach dem Mauerfall drangen Stimmen aus dem Osten die meinten, nun könne man im Westen ja die Türken nach Hause schicken, denn nun stünden ja sie, die Deutschen aus dem Osten als die besseren Arbeitskräfte zur Verfügung. Es war für sie eine tiefe Demütigung, dass Staat und Gesellschaft dieses Ansinnen nicht nur verweigerten, sondern sie auch noch recht brutal zur westlich-kapitalistischen Arbeits- und Wirtschaftslehre umzuerziehen trachteten, was bei den Türken nicht nötig war, denn die waren damit aufgewachsen und vertraut.

Bei dieser Gemengelage denkt man sofort an die USA, und in der Tat wird man da auch fündig. Traditionsgemäß geht der Angriffsstoß in erster Linie gegen die Schwarzen.
Die – lt. sächsischer Verfassungsschutzmitteilung – wichtigste Informationsseite der Autonomen Nationalen (was jedoch zu bezweifeln ist), nämlich Störtebecker-Netz, ist Host auf der US-amerikanischen Webseite „Altermedia“, gegründet als Gegenpol zu der bekannten linksorientierten Webseite „Indymedia“. Altermedia ist europaorientiert, außer Kanada und den USA hostet es Rechtsradikalen-Seiten aus ganz Europa bis hin zu Russland. Die Europaorientierung begründet sich dadurch, dass amerikanische Nationalsozialisten erwarten, aufgrund gleicher genetischer Herkunft dort auch das gleiche Denken zu finden, unterdrückt lediglich durch die internationalen politischen Verhältnisse. Der schlichte US-Nazi geht davon aus, dass die Europäer seinesgleichen und somit im Großen und Ganzen alle Nazis sind.

Während Obamas Wahlkampfes war die US-Version überschrieben mit dem Titel „Weltweite Nachrichten für Menschen mit Europäischer Abstammung“ – dazu ein blondes lachendes Baby. Wie nicht anders zu erwarten, ging es hauptsächlich gegen die Schwarzen. Mitteilungen über Obamas Wahlkampf waren mit einem grinsenden Schimpansen mit Banane dekoriert. Getreu unterstützt wurden sie natürlich von den deutschen Nazis, die die Endzeit kommen sehen, da ausgerechnet „Neger Obama“ angeblich das Ende der deutschen Nation in Berlin verkündete.

Der Schimpanse mit Banane – für uns eine schlichte Beleidigung. Es steckt jedoch mehr dahinter.

Die Menschenaffenforschung ist für US-Nazis eine hoch interessante Angelegenheit, denn sie benutzen sie zur Rechtfertigung ihres Rassismus. Jede neue Erkenntnis, ob die Beobachtung, dass Menschenaffen Werkzeuge gebrauchen oder ob man sich erfolgreich bemüht, ihnen rudimentäre Taubstummensprache beizubringen, ist für sie ein Beleg dafür, dass der Übergang vom Menschenaffen zum Menschen fließend ist, dass Werkzeuggebrauch und Sprachfähigkeit noch lange nicht den ‚richtigen‘ Menschen charakterisieren. Folgt, wenn Schwarze sprechen und mit Werkzeugen arbeiten können, so hieße dies nicht, dass sie richtige Menschen seien. Tatsächlich nämlich handle es sich bei ihnen um eine eigene biologische Humanidenart, vergleichbar etwa dem Unterschied zwischen Homo sapiens und dem Neandertaler. Als Begründung für diese Behauptung wird nun allerlei heran gezogen, so z.B. auch, dass der genetische Unterschied zwischen Yorkshire-Terrier und Schäferhund geringer sei als der zwischen schwarzen und weißen Menschen – und Yorkshire-Terrier und Schäferhund seien ja nun eindeutig mit unterschiedlichen Fähigkeiten begabt.

Nun ist aber ein Schwarzer zum US-Präsidenten gewählt worden. An seinen Fähigkeiten könne das nicht liegen; er sei ja nur quasi so eine Art Menschenhybride. Der Grund für seine Wahl müsse also etwas anderes sein, und wen wundert’s, dass hier wieder unser alter Bekannter aus dem Hut gezogen wird: der Jude an sich. Der wird dann auch gleich als Urheber der Wirtschaftskrise ausgemacht, was ja nach dem alten Klischee auch naheliegt. So zitiert Altermedia im März 2009 einen längeren Artikel eines nicht genannten Autors, und zwar mit einem angeblichen Zitat aus ebenso nicht genannter Quelle: „“You know very well, and the stupid Americans know equally well, that we control their government, irrespective of who sits in the White House. You see, I know it and you know it that no American president can be in a position to challenge us even if we do the unthinkable. What can they (Americans) do to us? We control congress, we control the media, we control show biz, and we control everything in America. In America you can criticize God, but you can’t criticize Israel…” – ‚Sie wissen sehr gut, und die dummen Amerikaner wissen das genau so gut, dass wir ihre Regierung kontrollieren, gleichgültig, wer im Weißen Haus sitzt. Sie sehen, ich weiß und Sie wissen, dass kein amerikanischer Präsident die Macht hat uns entgegen zu treten, selbst dann nicht, wenn wir das Undenkbare tun. Was können sie (die Amerikaner) uns tun? Wir kontrollieren den Kongress, wir kontrollieren die Medien, wir kontrollieren das Show Business, wir kontrollieren alles in Amerika. In Amerika dürfen Sie Gott kritisieren, aber Israel können Sie nicht kritisieren …“ – die Nähe zu George Orwell ist beabsichtigt. Den zitiert Altermedia als Motto: „In einer Zeit allumfassenden Betruges ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen.“

George Orwell kann natürlich nichts dafür, dass er von Nationalsozialisten zitiert wird. Immerhin lässt sich auch daran die Adaption und Umformung sozialistischer Thesen hin zum auf Biologismus als Basis orientierten Nationalsozialismus erkennen; George Orwell war Zeit seines Lebens Sozialist, ausgesprochener Antibolschewist, aber ebenso ausgesprochener Antiimperialist und hätte sich wohl zu Lebzeiten nicht freiwillig von solchen Leuten als Motto zitieren lassen.

Schon die Nationalsozialisten erfreuten sich am ‚linken‘ Gregor Strasser, holte er ihnen doch mit seinen sozialistischen Rufen die Arbeiterschaft. Auch unter den US-Nazis gibt es solche, die sich ausdrücklich als Sozialisten verstehen und sich durchaus auch der klassischen sozialistischen Literatur bedienen: Engels. Marx natürlich nicht, der war ja Jude. So wird denn Engels von ihnen zum eigentlichen und überlegenen sozialistischen Denker gemacht, der von Marx lediglich in seinem – jüdischen – Sinne verfälscht wurde und nun sozusagen im nationalsozialistisch gereinigten Gewande präsentiert wird. Galt den Altnazis noch der gesamte Sozialismus Marx’scher Prägung als perfides jüdisches Unternehmen zur Rassenvernichtung und damit zur Vernichtung des höheren Menschentums, so bedienen sich ihre modernen Nachfolger weitaus ungenierter an auch seinen Aussagen, die sie freilich ihrer grundlegenden systemtheoretischen Basis entziehen und ihnen statt dessen ihre eigene biologistische Basis unterschieben. Marx‘ wissenschaftlicher Sozialismus bleibt als (Pseudo-)Wissenschaft bestehen, jedoch wird die ‚Wissenschaft‘ ausgetauscht – gegen Genetik, Anthropologie und Humanbiologie. Auf dieser Basis lässt sich dann auch das Judentum, das aufgrund seiner genetischen und zivilisatorischen Bedingungen weiterhin die Weltherrschaft anstrebe, als Urheber des Kapitalismus darstellen. Wie schon gesagt: die systembedingte Ursache wird gegen den bösartigen Urheber ausgetauscht.

Doch auch das Judentum lässt sich ohne weiteres nationalsozialistisch interpretieren. Tatsächlich gibt es auch israelische Nationalsozialisten, es gibt sogar – wenn auch einzelne und von der Mehrheit abgelehnte – deutsch-israelische Nationalsozialistenbrüderschaften. Wobei ein zionistischer Nationalsozialismus durchaus nahe liegt, der Zionismus ist schließlich in der gleichen braunen K&K-Ursuppe entstanden, wie auch der Nationalsozialismus. Ebenso nahe liegt es, dass Zionisten die Behauptungen der Nazis, sie strebten nach Weltherrschaft, schlicht und einfach adaptieren und das nun tatsächlich, mit Begründung einer angeblichen rassischen Überlegenheit, auch tun – garniert mit dem alten Mythos des auserwählten Volkes, wobei sie sogar noch mit dem Judentum auf eine unveränderte nationale Religion verweisen können. Hier sind in erster Linie auch die Kahanisten zu nennen, die auch im Ausland sitzenden Anhänger des Rabbi Kahane und seiner Kach-Partei, deren Abkömmling die auch in Deutschland berüchtigte rechtsradikale Jewish Defense League ist. In Israel selbst führte die von Staat und Regierung kaum behinderte Entwicklung nationalsozialistischen Denkens insbesondere unter orthodoxen Siedlern dazu, dass der israelische Schriftsteller Amos Oz sie nunmehr „hebräische Neo-Nazis“ nennt.
Freilich müssen die Anhänger einer solchen Ideologie dann auch ihre eigene Religion ihres ethisch-geistigen Gehaltes entkleiden, doch da Nationalsozialisten das Geistige als nicht existent betrachten, dürfte ihnen das noch nicht einmal auffallen.

Neben nationalsozialistischen Tendenzen in manchen Spielarten des Neohinduismus – hier sei auch auf die Außenwirkung verwiesen, entsprechende neohinduistische Einflüsse bei zahlreichen Esoterikern wachsen sich bei ihnen nicht selten zu ausgesprochen nationalsozialistischer Denkweise aus – soll eine Region nicht vergessen werden, in der Nationalsozialismus offenbar zu einer gar nicht so kleinen gesellschaftlichen Kraft werden könnte: Australien. Die dortigen Nationalsozialisten scheinen sich eher an den US-Spielarten zu orientieren, jedoch scheinen sie davon zu profitieren, dass ihnen im australischen Staat weniger enge Grenzen zu ihrer Verbreitung gezogen werden als in den USA oder gar Deutschland und Frankreich, wo entsprechende Foren und Publikationen auch im Internet gesperrt werden, die jedoch außerhalb dieses staatlichen Einflussbereiches munter weiter veröffentlicht werden.
01.04.2009, Otla Pinnow

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