Man nennt es: einem das Wasser abgraben

Wir haben in Palästina auf unseren Dächern Wasserbehälter, da können wir Wasser speichern. Oft fangen die Israelis an, uns in Bir Zeit ab Mai das Wasser für eine Woche abzustellen, je wärmer es wird, um so weniger wird das Wasser und die Behälter werden oft nicht voll. Wir haben das Duschwasser in einer Kinderbadewanne aufgefangen und für die Toilette benutzt. Da der Wasserdruck nicht stark ist, kann man die Waschmaschine nicht nutzen. Mein Mann ist noch in Palästina und wir telefonieren täglich. Seit einer Woche gibt es in Bir Zeit wieder große Probleme mit dem Wasser. Er schaut täglich nach, ob das Wasser kommt. Die Behälter werden nicht mehr richtig voll, so reicht das Wasser nicht eine ganze Woche. Wir haben dann immer Wasser aus den Tankwagen gekauft, was 5 mal soviel kostet. Hier in Deutschland mache ich die Wasserleitung auf und erschrecke jedes Mal, wie das Wasser angeschossen kommt.

Soweit die gelebte Wirklichkeit in Palästina in einem Facebook-Kommentar; als Gegensatz zum propagandistischen Herumtheoretisieren derer, für die fließend Wasser aus der Leitung eine Selbstverständlichkeit ist.

Die Wirklichkeit der Palästinenser wird geformt durch dreiste Rechtsbrüche Israels. Die bestehen. International festgestellt und völlig unbestreitbar. Israel ist jedoch weit entfernt, diese Rechtsbrüche anzuerkennen, geschweige denn, sie abzustellen. Offenbar ist es der Ansicht, jedes Recht eines Palästinensers sei eine israelische Gnade für Wohlverhalten = Unterwerfung unter seine Oberhoheit, das jederzeit nach Belieben von ihm gewährt und auch wieder weggenommen werden könne. Wer das anprangert, wird eben Antisemit genannt, hätt sich dä Fall.

Wer sich mit der Wasserversorgung in Palästina befassen will, kommt am Hydrologen Clemens Messerschmid nicht vorbei. Er wohnt in Ramallah, arbeitet seit 1997 bei zahlreichen Projekten renommierter internationaler Organisationen mit und ist bestens vertraut mit der geologischen Lage in der gesamten Region. Er ist ein Linker, ein Anti-Imperialist, was freilich seinen fachlichen Qualifikationen keinen Abbruch tut; Zionisten, die grundsätzlich alles, auch die Wissenschaft, unter das Primat der Gesinnungskontrolle stellen, sehen das natürlich anders, stehen damit aber alleine da.

Einen guten Überblick über die Lage bietet der Bericht über das Seminar „Wasser in Israel und Palästina: zwischen Konflikt und Kooperation„,  zu dem die Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und das Forum Deutschland-Israel-Palästina, deren Partner die Friedrich-Ebert-Stiftung ist, eingeladen hatte. Auch Messerschmid als fachkundigen Referenten.

Danach ist Israel/Palästina keineswegs ein trockenes Land. Das sei ein Mythos.  Wenn man bedenke, dass in Israel ca. doppelt so viel Wasser pro Tag/Kopf verbraucht werde, wie in Deutschland, könne man auch nicht von Wasserknappheit reden. Allerdings gäbe es eine Überentnahme aus dem Jordan mit dem Ergebnis, dass das von ihm gespeiste Tote Meer langsam trocken fiele.

Problematisch sei allerdings die Verteilung des Wassers.Schulz irrte nicht bei Proportionen

Israel hat mit dem 6-Tage-Krieg „die vollständige Kontrolle über sämtliche Wasserressourcen sowie über Wasserverteilung und Verwaltung“ übernommen. Damit sicherte es sich unbeschränkten Ressourcenzugang, während Palästina mit dem vorlieb nehmen muss, was übrig bleibt. Ab Mai wird das dann immer weniger – vermutlich, weil dann die Pools in den illegalen israelischen Siedlungen gefüllt werden. So jedenfalls kann man es auf Google Earth sehen, auch Fasayel, wenn man die Karte etwas nach Süden verschiebt. An sich ist es also recht lächerlich, den Wassermangel in den West Bank abstreiten zu wollen.

 

Das palästinensische Dorf Fayacel
Das palästinensische Dorf Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fasayel
illegale israelische Siedlung, ca. 1 km nördlich von Fayasel

Nach israelischer Sicht sei Wasser in erster Linie eine Sicherheitsfrage, weswegen es sogar Zisternen zerstört, weil, darin könnten ja auch Waffen gelagert werden. Die Palästinenser bekämen genug Wasser; gingen sie vernünftig damit um, würde es auch reichen.

Wie das en Detail aussieht, erläutert Sahm auf Honestly Concerned: seiner Ansicht nach brauchen Palästinenser offenbar weder Waschmaschinen noch Pools, die stehen nur Israelis zu. Der kolonialisierte Bimbo soll also ein armer Schlucker sein und bleiben. Eine uns durchaus bekannte Einstellung: sie liegt auch den Beschwerden etlicher Deutscher darüber zugrunde, dass Flüchtlinge Smart-Phones besitzen.

Nötig ist der Bau etlicher neuer Brunnen im Westjordanland zur Wasserförderung, denn durch Reparatur der undichten alten Leitungen allein ist das Problem nicht zu lösen.

Mit dieser Frage befasst sich Jessica Perkiss für den Middle East Monitor. Nicht nur, dass sämtliche Wasservorkommen bereits von Israel annektiert und unter die Herrschaft des israelischen Konzerns Mekorot gestellt wurden. Auch die bestehende alte Wasserversorgung wird offenbar nach und nach demoliert, z.B, indem durch den Siedlungsbau die Leitungen schon mal schlicht und einfach gekappt werden. Dass Palästinenser wenig Lust haben, für das Wasser, das ihnen gestohlen wurde, auch noch zu bezahlen, dürfte einleuchten.

Amnesty InternationalBaugenehmigungen für Palästinenser sind von Israel generell schwer zu erhalten; das gilt selbstverständlich auch für den Bau neuer Brunnen und die Reparatur von Leitungen. Wird trotzdem gebaut, zerstört Israel es wieder mit seinen Bulldozern, auch, wenn die EU es gebaut haben sollte. Denn auch das lebensnotwendige Wasser betrachtet Israel als Erpressungsmittel, das es nur für ‚Wohlverhalten‘ gibt, also für die Akzeptanz des Diebstahls.

Diese Erpressung hat der rechtsradikale israelische Verteidigungsminister Liberman nun in die Form eines systematischen Plans gegossen, in dem er von einer ‚Politik‘ von Stock und Karotten spricht, Palästinenser also mit Eseln vergleicht, die zum nützlichen Haustier zu dressieren sind. Gegen Wohlverhalten gibt’s zur Belohnung dann auch mal ein Krankenhaus oder einen Fußballplatz.

Was übrigens die Waschmaschinen betrifft, über die Sahm sich so nachhaltig aufregt:

Die Waschmaschine wird mit der Hand von vorne,wo das Waschpulver rein kommt,gefüllt,da der Wasserdruck nicht ausreicht.Man wird erfinderisch, um sich das Leben etwas angenehm zu machen.

 

Vertiefende Informationen:
Wassernöte – Bericht von Amnesty International. pdf zum Download

Präsentation zum Thema: „Von heute und in Zukunft © Clemens Messerschmid. was wäre nötig? was tun die Geber?“

19.08.2016

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