Böse und unmenschlich

Hiroshima

Hiroshima

Heute vor 70 Jahren, am 6. August 1945 starben beim ersten Einsatz einer Atombombe als Waffe in Hiroshima 140.000 Menschen sofort oder in den nächsten Monaten. Drei Tage später, beim zweiten Atombombenabwurf in Nagasaki, starben 70.000 Menschen. So ungefähr. Denn bei der Masse zählt das niemand mehr. Nicht wenige werden noch nicht einmal betrauert, wenn nämlich keiner mehr überlebt hat, der das könnte. Der Tod solcher Menschenmassen auf einem Fleck dieser Erde ist nicht nur anonym, er macht auch das Leben, das vorher einmal war, anonym. Eine derartige Waffe tötet nicht nur das individuelle menschliche Leben, es vernichtet auch seinen Wert.

Nur noch die Masse zählt.

„Böse und unmenschlich“ nannte der Bürgermeister von Hiroshima die Atombombe. Böse, ein selten gebrauchtes fundamentales ethisches Urteil – hier ist es angebracht. Ein einfaches, klares und wahres Wort.

Tokio

Tokio

Unbeachtet bleibt, was tatsächlich noch mehr Opfer unter der japanischen Zivilbevölkerung forderte: konventionelle Waffen, eingesetzt bei Flächenbombardements. Allein schon der Bombenangriff auf Tokio vom 09.03.1945 war ein Terrorangriff. Kaltschnäuzig kalkuliert auf möglichst umfangreiche Zerstörung und möglichst hohe Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung. Eingesetzt wurde das Kampfmittel Napalm; Ziel waren die Stadtteile mit den meisten Holzhäusern, denn die brannten am besten. Von der Zielsetzung her macht es keinen Unterschied, ob man Massenmord an Zivilisten durch Sprengbomben, Phosphor, Napalm, Fassbomben oder Atombomben begeht: das Ziel ist immer die Vernichtung allen Lebens im Umkreis.

Dresden

Dresden

Generell ist es ein Unding, dass viele sich, wenn es um das Thema Frieden geht, auf Atombomben und atomare Abrüstung fixieren und vollkommen übersehen, dass seit den gut 200.000 Atombombenopfern Millionen Zivilisten durch ganz normale konventionelle Waffen ums Leben gekommen sind. Selbst die schlichte Kalaschnikov hat erheblich mehr Menschen getötet als nukleare Waffen.

Verglichen damit sind Atomwaffen ein westliches Luxusproblem. Und der Satz „Frieden schaffen ohne Waffen“ wird offenbar als das, was er ist: eine Illusion.

Hamburg

Hamburg

Der Pragmatiker, dem Menschenleben mehr bedeuten als fromme Wunschträume, wird sich auf die konventionellen Waffen konzentrieren. Auf die Durchsetzung dessen, was im „Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte“ festgeschrieben ist, was tatsächlich den Einsatz von Atomwaffen mit umfasst. Gewiss, einige Länder, einige wichtige Länder haben dieses Zusatzprotokoll nicht unterzeichnet (siehe Anhang im Link). Aber verliert das nicht an Bedeutung, wenn die Unterzeichnerstaaten sich einig sind, dass dieses Protokoll gilt und sich dem Staat gegenüber, der es verletzt, entsprechend verhalten,ob er unterzeichnet hat oder nicht?

1.  In einem bewaffneten Konflikt haben die am Konflikt beteiligten Parteien kein unbeschränktes Recht in der Wahl der Methoden und Mittel der Kriegführung (Teil III, Art. 35 Grundregeln).

Einwände?

homs Reuters

Homs / Syrien (Foto: Reuters)

Natürlich setzt die Durchsetzung dieses Protokolls eines voraus: die Achtung vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) und das Respektieren seiner Urteile. Auch das tut bekanntlich nicht jeder. Nur: wäre es nicht ein großer Fortschritt, könnte man die Unterzeichnerstaaten dazu bewegen, verurteilte Kriegsverbrecher tatsächlich auch zu ächten? Das könnte natürlich von uns Opfer fordern. Opfer wirtschaftlicher Natur. Doch sollte es uns das nicht wert sein, wenn Massenmord zumindest erschwert werden würde ob der unangenehmen Folgen für die Mörder?

Gaza Trümmer

Gaza

Diese Massenmorde waren immer sinnlos und werden es immer sein. Weder Hamburg noch Dresden, weder Tokio noch Hiroshima und Nagasaki haben zur Kapitulation geführt (so wenig, wie Hitlers Wunderwaffe zum Friedensschluss der Alliierten geführt hätte). Hitler brachte sich um, als die Russen vor Berlin standen und Japan kapitulierte erst, als die Russen in den Krieg eintraten. Weder die deutsche noch die japanische Staatsführung haben die Massenmorde an den Zivilisten beeindruckt. Gerade kriminelle Staatsführungen kümmert so was nicht im Mindesten, von den großartigen Möglichkeiten, sie propagandistisch auszuschlachten, mal abgesehen.

Was bleibt, ist ein sinnloses Morden, mit dem Blut von zig-Tausenden bezahlte Eitelkeiten von Staaten und ihren Generälen: warum wir ganze Stadtteile mitsamt ihren Bevölkerungen, Hund, Katz und Maus vernichten? Weil wir es können.

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