Nimm zwei

Update 20.01.2015:

Inzwischen ist das Schatzmeisterteam zurück getreten. Die Gründe erläutert es hier.
Einen Tag später ebenso das IT-Team und nun auch der Generalsekretär, der seine Gründe nicht hier erläutert.
Dass es tatsächlich nicht Tim Reuters Stellungnahme ist, kam allerdings erst durch Nachfrage einer Piratin heraus:

Darf man bei einem Rücktritt eines Vorstandskollegen/in als 1. Vorsitzende(r) eine Stellungnahme veröffentlichen, die von dem Zürückgetretenen nicht getätigt wurde, weil dieser zum gewünschten Zeitpunkt keine Zeit dafür hatte?

Darf man die tatsächlichen Gründe die zum Rücktritt geführt haben in einer fremdgefassten Stellungnahme verschweigen, um eine negative Aussendarstellung zu vermeiden?

Die erste Reaktion darauf war, wen wundert’s, die Bitte um eine nicht-öffentliche Mailingliste. Zur Ehrenrettung einiger Parteimitglieder sei jedoch gesagt, dass neben Zustimmung auch geharnischter Protest folgte. Wir erinnern uns, Transparenz war ja mal ein Grundsatz der Piratenpartei, gerade um Klüngeleien zu verhindern,.

Natürlich musste sich Reuter dazu äußern; er tat es kurz:

Ich hatte bis heute keine Zeit meinen Rücktritt schriftlich zu erklären und eine Stellungnahme abzugeben, dies steht in meinem Terminkalender fürs kommende Wochenende an.
Ihr könnt euch jetzt selbst eine eigene Meinung dazu bilden.

Und zu Patrick Schiffers Behauptung:

dieses Statement war mit Tim so abgesprochen. Wir haben telefoniert, ich habe ein paar Vorschläge gemacht und das letztendlich ausformuliert.

kurz und knapp:

Das Statement stammt nicht von mir.

Nun, dann sei mal abgewartet.

Gaga 15.01.15Zurück getreten ist Reuter bereits am Donnerstag, den 15. Januar. Wie gesagt wurde, in Verbindung mit einer Äußerung, die dem Rest-LaVo wohl nicht gepasst haben kann. Der Rücktritt war durchaus bekannt, aber wohl nicht allen. Wie der Zufall so spielt, begann die Diskussion wohl, nachdem das zurück getretene Schatzmeisterteam auf eine Merkwürdigkeit hingewiesen hatte.

Rücktritt nicht bemerktEs sei daran erinnert, dass Tim Reuter, wie aus dem Update vom 24.10.2014 hervor geht, beim dem Verfahren zur Amtsenthebung des Schatzmeisters Bedenken hatte und am entsprechenden Teil der Vorstandssitzung nicht teilnahm.  Angesichts dessen hatten bereits verschiedene Stimmen geunkt, er würde wohl auf seinem Posten nicht sehr alt werden, insofern überrascht der Rücktritt niemanden wirklich.

Update 24.10.2014: wie die Sache rechtlich gesehen ausschauen könnte

Vorab: ich bin kein Jurist, dies ist meine persönliche Meinung zu diesem Fall.

Nachdem inzwischen auch der Jurist Dietmar Schulz MdL aka LawFox das Wort Anfechtung gebrauchte, halte ich es für angebracht, an dieser Stelle nochmals meine persönliche Sicht der Dinge darzulegen. Es finden ja nun, wie schon üblich, Appelle an Neuberts Vernunft statt. Diese Erläuterungen sollen aber dazu dienen, vielleicht mal nach der Vernunft der Gegenseite zu rufen oder diese auch parteiintern zu  befördern.

Zunächst: die Sache könnte eventuell auch strafrechtlich von Bedeutung sein, vcorausgesetzt, der Staatsanwalt kriegt das spitz. Auch, wenn ein entsprechendes Verfahren wohl eher, z.B. gem. § 153 StPO wg geringer Schuld oder mangelndem öffentlichen Interesse, wieder eingestellt werden würde; hundertprozentig sicher bin ich mir dessen nicht, denn wie im ML-Urteil des LG Berlin könnte ja auch ein Staatsanwalt davon ausgehen, dass eine Partei im Sinne des Parteiengesetzes sich zu besonderer Rechtstreue bekennen müsste. Und dann handelt es sich ja auch noch, wie aus dem Link zum Streaming im Ursprungsbeitrag hervor geht, um eine demokratische Wahl, die einigen Mitgliedern des alten und neuen LaVor partout nicht passte, so dass sie sogar vom Wahlleiter nachdrücklich ermahnt wurden. Motiv, das Wahlergebnis im Nachhinein gänzlich undemokratisch doch noch passend zu machen, kann also mit Grund angenommen werden.

In Frage käme § 240 StGB Nötigung. Dieser Paragraf steht im Abschnitt „Straftaten gegen die persönliche Freiheit“, die in unserem Staat besonders geschützt ist, und lautet (Abs. 1 bis 3):

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.
(3) Der Versuch ist strafbar.

Eine OM, u.a. Amtsenthebung, wurde auf der in Rede stehenden Klausurtagung nicht nur angedroht, sondern bereits abgestimmt, lt. Bericht von Tim Reuter, ohne Neubert vorher dazu anzuhören, wie es die Satzung (§ 6) verlangt. Die OM müsste also als nichtig erkannt werden, aber wer denkt schon daran, wenn er unmittelbar damit konfrontiert ist. Jedenfalls wurde er unstreitig damit bedroht, entweder ‚freiwillig‘ auf sein Amt zu verzichten, oder des Amtes enthoben zu werden mit, wie es heißt, anschließender Aberkennung der Fähigkeit ein Parteiamt zu bekleiden, gemunkelt wurde von 3 Jahren.  Eine OM ist eine Strafmaßnahme. Auch eine von einer Partei verhängte OM dürfte als „empfindliches Übel“ eingestuft werden (und wird ja auch vielfach so gesehen), wie eine Strafanzeige. Mit der darf man nämlich auch nicht drohen. Das nämlich ist schon Nötigung. Dazu gibt es Urteile.

Die Sache sieht also so aus, dass Neubert gar keine vernünftige Alternative hatte. Entweder er würde freiwillig gehen oder er würde mit Schimpf und Schande seines Amtes enthoben, tertium non datur. Los wäre er es also so und so. Unter diesen Umständen ist es eine normale Reaktion, wenn man die nun alternativ verlangte Austrittserklärung nicht nur auf einen Zettel kritzelt, sondern samt Ausweis den Tätern quasi vor die Füße wirft. Und dies ebenso, nach dem man sich gesammelt und gefragt hat, mit welchem Recht die das eigentlich machen, schriftlich und mündlich unter Zeugen anficht.

Übrigens wurde auch gegen LaVor-Mitglied Stahlrabe, der beim Schatzmeistertreffen, bei dem der angebliche Schrage Verwarnter SchatzmeisterDatenschutzverstoß statt fand, mit entscheidend war, eine OM verhängt, die ebenso nichtig sein dürfte, nämlich die mildeste, die Verwarnung. Was den LaVor freilich nicht daran hinderte, ihm trotzdem kommissarisch die Schatzmeisterei zu übertragen. Daran erkennt man schon mal, welch‘ „große Bedeutung“ Neuberts „schwerer Datenschutzverstoß“ tatsächlich hatte. Er war im Grunde egal, es ging nur darum, den von manchen im Vorstand ungewollten, aber eben demokratisch gewählten Schatzmeister abzusägen. Selbiges, nämlich, dass hier ein Teil des Landesvorstands einer Partei pflichtwidrig eine demokratische Wahl hintertrieb, könnte übrigens einen Staatsanwalt auch zum Mittel des Ermittlungsverfahrens greifen lassen, das Staatsanwälte durchaus schon mal als ernste Verwarnung benutzen.

Wer dies selbst weiter überprüfen möchte, dieses Podcast der LaVor-Sitzung vom 02.10.2014, in dem die ganze Angelegenheit noch mal besprochen wurde, ist recht hilfreich.

Wo kein Kläger, da kein Richter, doch ich denke diese Erläuterungen sind hilfreich, um das Folgende besser zu verstehen.

Eine Willenserklärung, und darum handelt es sich zivilrechtlich bei der Austrittserklärung, kann nämlich gem. BGB angefochten werden.  Es sind auch andere Möglichkeiten denkbar, ab er einschlägig wäre hier zunächst einmal § 123 BGB, welcher da (Abs. 1) lautet:

§ 123 Anfechtbarkeit wegen Täuschung oder Drohung

(1) Wer zur Abgabe einer Willenserklärung durch arglistige Täuschung oder widerrechtlich durch Drohung bestimmt worden ist, kann die Erklärung anfechten.

Ich gehe mal davon aus, dass die Drohung mit einer satzungswidrig, nämlich ohne Anhörung,  zustande gekommene OM, die dazu möglicherweise auch noch den Gleichbehandlungsgrundsatz verletzt, widerrechtlich ist – mal abgesehen von den Erläuterungen um § 240 StGB.

Hier ergänzend Auszüge der Mail von Tim Reuter vom heutigen Tag:

Direkt am Anfang der Klausurtagung wurden Volker und Stahlrabe gebeten die Klausurtagung wegen einem Thema, welches die beiden betraf, zu verlassen. Beide gingen raus. Jens und Pakki klärten uns übrige Vorstandsmitglieder über den Grund auf. Es wären mehrere Beschwerden bei unserer LSDB eingegangen über Volker bzgl. Datenschutzverstoß auf dem Schatzitreffen.[…] Es wurde diskutiert und ein Vorschlag über eine Ordnungsmaßnahme in Form von Amtsenthebung gemacht. Es sollte eine Abstimmung über die Ordnungsmaßnahme stattfinden, was mich veranlasst hat den Raum zu verlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Volker und Stahlrabe keine Möglichkeit sich rechtzufertigen. Während meiner Abwesenheit wurde abgestimmt. Nach der Abstimmung wurden Volker und Stahlrabe reingerufen, ich bin mit den beiden wieder reingegangen. Jetzt erst wurden die beiden befragt. Volker hat seine Sicht dargestellt und stritt die Vorwürfe mit dem Beamer, dem Ticket und Sage ab. Er sagte, dass es nicht seine Idee war ein Ticket auf dem Beamer zu zeigen. Einem Teil der Vorwürfe stimmte er zu und zeigte einsicht. Stahlrabe wunderte sich etwas über den Inhalt der Beschwerden, da hier zu seiner Aussage komplette Gegensätze vorhanden waren. Er erhielt eine kleine Ordnungsmaßnahme, Volker wurde nahegelegt (zu seinem und dem Parteiwohl) sein Amt aus privaten Gründen niederzulegen. Andernfalls würde man die Ordnungsmaßnahme vollziehen (Amtsenthebung). Man gab ihm Bedenkzeit. Danach kam er wieder rein und teilte mit das er Austreten werde. Er schrieb seinen Austritt auf einem Blatt nieder und legte seinen Parteiausweis darauf. Danach wurde er gebeten zu gehen und die Klausurtagung ging weiter. […]
Aus vertrauenswürdiger Quelle wurde mir der Sachverhalt auf dem Schatzmeistertreffen geschildert. Der Inhalt der Schilderung war identisch mit den Schilderungen von Volker und Stahlrabe. Die Beschwerden an unsere LDSB habe ich nie gesehen, aber dort sollen einige Anwesende mit „Händen und Füßen“ auf einen womögliche Datenschutzverletzung aufmerksam gemacht haben.

Update 22.10.2014: was der – ehemalige – Schatzmeister sagt

Der versandte inzwischen (22.10.2014) – dankenswerter Weise, denn wo, wenn nicht bei solch schreiend demokratiewidrigen Verhältnissen ist Transparenz gefordert – die folgende Mail:

Die Geschichte eines gescheiterten Schatzmeisters

Am Samstag, den 30.08.2014 wurde in Kleve u. a. ein neuer Schatzmeister
der Piratenpartei des Landesverbandes NRW gewählt.

Zu meiner grossen Überraschung fiel die Wahl mit 54 % auf mich. Aber
damit begann ein Kampf darum, mich aus dem Amt zu entfernen. Erst fielen
Patrick Schiffer und Jens Ballerstaedt aus der Rolle und versuchten mit
allen Mitteln die Wahl für ungültig erklären zu lassen.

Es wurden Argumente, wie Doppelamt und Unfähigkeit angeführt. Das
Doppelamt wurde durch die Versammlung bestätigt. Zur Unfähigkeit kann
ich sagen, dass ich Geschäftsführer einer Firma mit mehr als 800.000,--
DM Umsatz war und als Geschäftsführer auch eine Ausbildereignungsprüfung
für Bürokaufleute abgelegt habe.

Nach dem alles nichts genutzt hat, hat sich Patrick Schiffer bei mir
entschuldigt.

Nun fing meine Arbeit als Schatzmeister an. Leider wurde das Protokoll
des LPT´s lange hin und her geschoben bis es zur Unterschrift aller
Beteiligten kam, so dass ich keinen Zugriff auf die Konten bei der
Stadtsparkasse Mülheim bekam (Anmerkung: das Protokoll lag als 
unterschriebener Scan dem LaVor am 01.09.2014 vor). Der Zugang zu
Sage wurde erst am 09.09.beantragt, so das ich auch hier keinen 
Zugriff erhielt. Also beschränkte sich meine Arbeit auf das Abarbeiten
des RT. Hier waren etliche Altfälle, die bis zu 2 Jahre alt waren. 
Leider wurde ich durch einen eigenwilligen Vorfall aus dieser Arbeit 
gerissen. Ein Ausgleich der Konten von Bund und KV´s war mir leider ohne 
Sage Zugang leider nicht möglich.

Im 2. Anlauf war es mir gelungen ein Treffen des Schatzmeisterteams auf
die Beine zustellen. Dieses fand am 23.09. in der neuen
Landesgeschäftsstelle des Landesverbandes statt. Hier sollten die alten
und neue Mitglieder zusammen kommen, um über die weitere Arbeit zu
sprechen. Im Rahmen dieser Besprechung kam ein Mitglied des Vorstandes
auf den Gedanken, zur Verdeutlichung, einen Fall aus dem RT auf den
Monitor eines Laptops zu holen. Ein weiteres Mitglied der Versammlung
schlug vor, dieses Bild über einen Beamer an die Wand zu werfen. Hier
bei habe ich weder nach einer Datenschutzerklärung der Beteiligten
gefragt, noch kam ich auf den Gedanken, das man das Bild eventuell von
aussen sehen könnte. Da der Vorschlag mit dem Laptop von einem anderen
Vorstandsmitglied kam, ging ich davon aus das es ok wäre. Keines der
Mitglieder der Versammlung hat, für mich verständlich, Widerspruch
eingelegt.

Zu meiner Überraschung haben in den nächsten Tagen 4 Mitglieder der
Versammlung Anzeige wegen Verstössen gegen den Datenschutz bei unserer
Datenschutzbeauftragten erstattet.

Die nächste Klausurtagung des Vorstandes am 28.09. begann mit einer
Überraschung für mich. Mir wurden mehrere Datenschutzverstösse
vorgeworfen. Zusammen mit einem weiteren Vorstandesmitglied musste ich
die Versammlung erst einmal verlassen. Nach einer längeren Beratung, die
ein weiteres Mitglied des Vorstandes verliess, wurden wir zurück
gerufen. Das Vorstandsmitglied, dass den Gedanken mit dem Laptop hatte,
erhielt eine Ermahnung. Neben den beiden Vorwürfen bei der
Schatzmeisterteamversammlung wurden mir weitere Verstösse gegen den
Datenschutz vorgeworfen. Mir ist nur ein angeblicher Verstoss bekannt. 1
Mitglied der Piratenpartei versuchte  den Eindruck zu vermitteln
Mitglied des OV Pulheim zu sein. Über Twitter habe ich dieser Aussage
widersprochen. Diese Kenntnis hatte jeder, der die Versammlungen des OV
Pulheim besuchte.

Also blieben nur die Verstösse aus der Versammlung des
Schatzmeisterteams. Hierzu wurde ich durch den Vorstand  massiv unter
Druck gesetzt, entweder ich trete zurück oder ich erhalte eine
Ordnungsmassnahme, das ich für 1 Jahr für Parteiämter ungeeignet wäre.
Nun wurde der Druck auf mich erhöht, in dem immer wieder gefragt wurde,
wie ich mich entscheiden würde. Auch nach dem ich nach draussen gegangen
war, konnte ich noch keinen klaren Gedanken fassen. In meinem
Durcheinander schrieb ich auf einen Zettel meine Austrittserklärung,
legte meinen Piratenausweis daneben und verlies die Sitzung. Nach
längerem Suchen fand ich mein Auto in der Tiefgarage und fuhr nach Hause.

Noch am selben Abend gab der Restvorstand meinen Rücktritt bekannt, den
es so nicht gegeben hat.

Erst nach 2 Tagen habe ich meine Fassung wieder gefunden und
festgestellt welchen Blödsinn ich da angestellt habe. Daraufhin habe ich
meinem Austritt widersprochen. Diesen Widerspruch habe ich per Mail an
Patrick Schiffer und im CC an den Vorstand geschickt. Worauf mir Jens
Ballerstaedt eine unqualifizierte Antwort schickte. Patrick Schiffer
hielt es nicht für nötig auf diese Mail zu antworten. Auch das folgende
Einschreiben mit Rückschein hat er nicht von der Post abgeholt.

Im Zusammenhang mit dem „Rücktritt“ wurden mir sämtliche Zugänge, die
für die Arbeit als Schatzmeister erforderlich sind, gesperrt wurden, so
das eine weitere Arbeit unmöglich wurde.

Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, ob ein solcher Vorstand für
die Piratenpartei NRW überhaupt tragbar ist. Für meine Person kann ich
nur sagen, mit derartigen Leuten ist eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich.

Inzwischen hat der Vorstand meine Kündigung umgesetzt und meinen
Widerspruch ignoriert.

Gruss
Volker Neubert

Oder: wie man der Partei den Arsch rettet

Eigentlich sollte das alles ja schön im Intransparenten bleiben, weswegen es nicht im Forum landete, sondern auf der Mailingliste NRW – vermeintlich – versteckt wurde. Vorstandsbeschluss.  Doch, wie das Leben so spielt, sind wohl auch Mitarbeiter des Express immer noch schön angemeldet für die Mailinglisten der Piratenpartei. Und so landete offenbar die Mail des LaVor-Vorsitzenden Patrick Schiffer vom 02.10.2014 auch auf ihren Schreibtischen:

Geehrte 19 Abgeordnete der Piratenfraktion im Landtag NRW,

ich war lange Zeit ein grosser Bewunderer eurer Arbeit und bin das von Einigen auch weiterhin, aber inzwischen habe ich die Schnauze gestrichen voll von diversen Fails, eurem Lavieren, euren Ausreden, dem wiederkehrenden Ausweichen, den unzähligen Entschuldigungen, vollmundigen Versprechungen und dem darauffolgenden allseits bekannten Schulterzucken. Ich habe wohl mit die meiste Geduld mit euch gehabt. Aber mir reicht’s jetzt echt! Und damit meine ich nicht einzelne Leute, sondern das Gesamtbild der Fraktion nach aussen und nach innen.

Das ist natürlich ein ergötzlicher Rant, den Express Online denn auch genüsslich aufgriff, Titel: Schiffer fordert Wende – NRW-Piraten-Chef: „Ich habe die Schnauze jetzt gestrichen voll!“

Und selbstverständlich griff der Express auch die Beschwerde wegen des Schimpfwörtergebrauchs auf; denn wer kann da schon nein sagen?

UnterwerfungUnd damit spreche ich die Leute an, die in Fraktionssitzungen Schimpfwörter benutzen, die Augen rollen, rausrennen, rumschreien oder sich auf irgendeine andere Art wie Affen aufführen. Seid ihr eigentlich noch bei Trost?Hört endlich auf damit!

Dieser exquisite Umgangston Landtagsabgeordneten gegenüber bei gleichzeitiger Beschwerde über selbigen und ‚voller Schnauze‘ ist eine Realsatire, die man sich nicht entgehen lassen kann.
Zudem, Gesetz hin, Gesetz her, muss auch schon mal gesagt werden, wer hier der Chef der Landtagsabgeordneten der Piratenpartei ist, ne?

Eure Leistung besteht – mit wenigen Ausnahmen – seit geraumer Zeit alleine darin, den parlamentarischen Betrieb zu bedienen und möglichst zu jedem Scheiß einzeln eure Meinung zu äussern und ihr ärgert euch zu Unrecht, daß das nicht von der Presse aufgegriffen wird. Das interessiert keinen ausser euch! Unsere Anträge werden eh nicht angenommen! …
Und ich erwarte von euch, daß ihr Kritik annehmt. So wie wir.

Leistung! Sonst setzt’s was! Zack-Zack!

Ich bin hochmotiviert, dieser Partei mit allen, die mitmachen wollen, den Arsch zu retten. Wer dagegen ist, möge bitte von dannen ziehen und uns in Ruhe arbeiten lassen. Jetzt ist dazu die Chance, ohne uns grossen Schaden zuzufügen, denn die Presse berichtet gerade sowieso vom Zerfall.

BossJo. Quod erat demonstrandum.

Entscheidet euch. Ich erwarte euch ALLE morgen um 9:30 Uhr in Düsseldorf. Jeder kann sich ja mal für sich überlegen, wie wichtig ihm unsere gemeinsame Sache ist.

Augen geradeaus!

Härrlisch, ne?
Dummerweise waren nicht alle davon begeistert; MdL Dietmar Schulz z.B. war es nicht:

ich werde dein Statement an dieser Stelle nicht ausführlich kommentieren, wie es andere bereits begonnen haben. Nur so viel: Der von dir gewählte, öffentlich gepostete Konfrontationsmodus gegenüber der Fraktion ist für mich nicht nachvollziehbar und stellt aus meiner Sicht eine massiv desavouierende und kontraproduktive Einmischung dar, die ich für mich persönlich mit aller Entschiedenheit zurückweise.

Er tat noch ein übriges. Er verlangte nämlich, dass die Klausur sich erst einmal mit den seltsamen Methoden des Landesvorstandes befassen möge, hier mit dem Rücktritt des Schatzmeisters, Volker Neubert, „aus privaten Gründen“  – dem angeblichen Rücktritt. Denn dass er zurück getreten sei, hatte Neubert kurz und knapp dementiert.

Zweifel an diesem Rücktritt lagen nahe, denn dem Landesvorsitzenden Schiffer hatte die erst am 30.08.2014 erfolgte Wahl Neuberts überhaupt nicht gepasst. Erstens, weil er die vorherige Schatzmeisterin behalten wollte und auch nicht mit der Möglichkeit ihrer Abwahl gerechnet hatte, und zweitens, weil Volker Neubert aus Pulheim ist. OV Pulheim geht gar nicht, denn Pulheim befindet sich im Dauerclinch mit dem Kreisverband Rhein-Erft mit Schiedsgerichtsverfahren inklusive PAV, gerichtlichen Auseinandersetzungen unter Mitgliedern und allem drum und dran. Also rantete Schiffer noch auf dem Landesparteitag in Kleve gegen Neubert in einer Art und Weise, dass es viele empörte, war wahrscheinlich auch derjenige, der die stellvertretenden Wahlleiter aufforderte, gefälligst einen Formfehler zu finden, um die Wahl wiederholen zu können,  wie es ja seinerzeit in Düsseldorf so schön geklappt hatte, zweifelte am Saalmikrophon an Neuberts Fähigkeiten und hoffte, es fände sich vielleicht wegen Ablehnung einer Ämterkumulation doch noch eine Möglichkeit, dass er zurück träte (siehe Aufzeichnung, etwa ab 16:46). Doch die Versammlung erlaubte Neubert, zusätzlich weiter den Kassierer beim OV Pulheim zu machen und auch Anträge auf Wiederholung der Abstimmung wurden niedergeschlagen. Da war also nichts zu machen und Schiffer musste sich entschuldigen. Dass Zweifel bestanden, ob es mit diesem Rücktritt so seine Richtigkeit hatte, ist also kein Wunder.

Schulz hatte sich auf die Vorstandsssitzung des Landesvorstands vom 02.10.2014 berufen. Danach war Neubert nicht vom Amt zurück getreten, sondern aus der Partei ausgetreten, denn der so dringend gesuchte Formfehler hatte sich inzwischen gefunden: ein ’schweres Datenschutzvergehen‘ auf dem Treffen des Schatzmeisterteams, weswegen man sich zu einer Ordnungsmaßnahme Faceentschieden habe. So ganz einverstanden waren die Anwesenden allerdings nicht damit. Von Nixus nahm man zu Protokoll: „Man kann das leider nicht ohne den Zusammenhang sehen, dass Volker offensichtlich von Anfang an nicht gewollt war, daher sind die Aussagen nicht umbedingt glaubwürdig. … Jeder der anwesend war und verstanden hat, dass dort Datenschutzvergehen begangen wurden, hätte es vor Ort verhindern können.
Neubert erklärte, er habe überreagiert, was wohl auch verständlich ist, wenn ein seriöser Mensch mit einer glücklich an den Haaren herbei gezogenen OM bedacht wird; das alte Problem, dass einige ihren guten Ruf verteidigen, während andere gar nicht wissen, was ein Ruf überhaupt ist. Am Ende brachte Daniel Neumann die Sache auf den Punkt: „Es fand ein Austritt statt, das kann man eventuell zurücknehmen, aber damit hat mein sein Amt nicht wieder zurück.

Mission accomplished.

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