Ach, Du liebe Zeit!

Zeit-Herausgeber Josef Joffe und Polit-Redakteur Jochen Bittner gehen gegen die Satiresendung „Die Anstalt“ vor, so Telepolis, das ist bekannt.
Ich finde das, was ich von einer anderen Polit-Redakteurin der Zeit so mal eben gefunden habe, in diesem Zusammenhang auch nicht ganz uninteressant, wenn man es mit alten (Assange / Wikileaks) und neuen Geschichten (Piratenpartei und Anke Domscheit-Berg)  in Zusammenhang bringt:

Khuê Pham, Politredakteurin der Zeit, schrieb am 27.10.2011 einen Artikel über Wikileaks und Assange, „Kurz mal Weltmacht“. Gleich der erste Satz erscheint schon wie Programm:

 

Auch Hoffnungsträger scheitern manchmal, und das muss nicht immer schlecht sein.
Gescheitert ist jetzt Julian Assange, der Gründer und Frontmann von WikiLeaks . Die Enthüllungsplattform müsse ihre Arbeit im Internet einstellen, sagte er diese Woche , vorübergehend, aus Geldmangel. Der Mann, dessen Nähe Chefredakteure mächtiger Zeitungen und Magazine noch vor einem Jahr gesucht hatten: pleite. Die Web-Organisation, die den traditionellen Journalismus im Internetzeitalter ablösen wollte: offline. Was sagt das über Assange und seine Idee?

soll das heißen, Sie sind froh darüber, dass Assange „weg“ ist?!“ fragt gleich der zweite Kommentar.
Über Assange selbst sagte sie:

Der Freiheitskämpfer versank in Paranoia und Geheimniskrämerei; seinen Mitstreitern gegenüber führte er sich wie ein Diktator auf, der keinen Widerspruch duldete.

Und ihr Fazit ist:

WikiLeaks war das erste große, weltweit erfolgreiche politische Projekt des Informationszeitalters, und es hat die Anfängerfehler gemacht, die seine Nachfolgeplattformen nicht mehr machen müssen. Al-Dschasira, die taz und die WAZ haben die Idee kopiert, ebenso Daniel Domscheit-Berg und das Hackerkollektiv Anonymous.

DDBDas führte zu erheblichem Widerspruch. Tatsächlich sind das Interessanteste an diesem Artikel die Kommentare, von denen etliche der Meinung sind, Phams Auffassung stamme direkt von Daniel Domscheit-Berg, der sich offenbar keiner großen Beliebtheit erfreute. Dieser „Hoax“ Domscheit-Berg „kann nichts, weiß nichts und ist doch eigentlich nur ein Blender. Das hat sein Auftritt beim CCC Camp vor ein paar Wochen doch gezeigt.“  Ebenso kritisiert wird, warum Pham mit keinem Satz auf die Ursache der ‚Pleite‘ eingeht, nämlich, dass sämtliche Spenden, von denen Wikileaks lebt, blockiert wurden.

Die Kritik traf offenbar, denn Pham nahm wie folgt Stellung:

28. Liebe Kritiker

Mehrere von euch haben darauf hingewiesen, dass die finanzielle Blockade in meinem Artkel nicht richtig erklaert wird. Der Grund dafuer war nicht spin, sondern dass ich den Eindruck hatte, dass diese Informationen durch die vielen Berichte so bekannt seien, dass ich sie nicht nochmal wiederholen muesse. Trotzdem ist die Kritik berechtigt.

Was ich nicht teile, ist die Lesart, der Kommentar sei aus der Sicht DDB geschrieben. Ich habe seit vergangenem Jahr mit WikiLeaks – und Frontlineclub-Leuten gesprochen, mit Informationsfreiheitsaktivisten, mit Journalisten vom Guardian und dem Verleger von Assange…Die einzige Person, mit der ich nicht gesprochen habe, war Daniel Domscheit-Berg (das haben Kollegen von mir getan).

Ja, ja, die lieben Kollegen.

Knapp 3 Jahre später, am 26.09.2014, schreibt Pham einen neuen Artikel in der Zeit, wieder ein Nachruf, diesmal über die Piratenpartei: „Es war schön mit Euch„.  Ein recht phantasievoller Artikel, schreibt sie doch über Anke Domscheit-Berg:

Es ist zwei Jahre her, da saß Anke Domscheit-Berg auf einer Bierbank vor dem Unperfekthaus Essen und erzählte von ihren Hoffnungen an die Piraten. Sie, die bekannte Netzexpertin, war frisch in die Partei eingetreten; eine Mittvierzigerin mit Hang zu großen Hüten und bunten Mänteln. Damals besuchte sie einen Workshop für den NRW-Landtagswahlkampf, der den Piraten am Ende 7,8 Prozent bescheren würde.

ADBDummerweise ist ADB erst drei Tage vor der Landtagswahl NRW vom 13. Mai 2012 in die Piratenpartei eingetreten. Da gab es keine Workshops zur Landtagswahl mehr.
Ist das wichtig? Ja. Denn zunächst einmal wird hier suggeriert, ADB habe etwas mit dem Wahlerfolg in NRW zu tun gehabt; und das war ja nun nicht der Fall.

Gemeint ist wohl ein anderes Barcamp, nämlich dieses hier, das Barcamp Bundestag, das am 01. und 02.09.2012 stattfand. Zu diesem Barcamp eingeladen waren, wie die Zeit von dpa übernahm, „alle , die sich für einen Listenplatz der Partei bewerben oder darüber nachdenken, bei künftigen Piratenabgeordneten in den Büros zu arbeiten„.

Pham machte freilich etwas anderes aus den Teilnehmern, Wahlhelfer. Es liegt sehr nahe, dass dies ADB’s Wahlhelfer für die LTW NRW sein sollten.

Um Domscheit-Berg herum saßen Wahlhelfer der Piraten, die aussahen wie Leute, die man in Elternvereinen trifft. Es waren engagierte Bürger, manche hatten graue Haare und nicht mal WLAN zu Hause. All diese Menschen, sagte Domscheit-Berg, werde man nun an Bord nehmen.

Na ja. Vielleicht hat ja wieder mal nicht sie selbst mit Anke Domscheit-Berg gesprochen, vielleicht waren das wieder mal die Kollegen.

Aber es geht noch weiter, denn auch das Verhältnis der DB’s zu Wikileaks wird ins passende Licht gerückt:

Anke Domscheit-Berg hat als Piratenpolitikerin oft über Open Government oder den Schutz von Whistleblowern gesprochen, ihr Mann Daniel war einmal ein enger Vertrauter von Julian Assange und der deutsche Sprecher von WikiLeaks. Doch mit der Zeit musste Domscheit-Berg feststellen, dass sie in eine Partei eingetreten war, die auf ihr Engagement mit Kritik und Häme reagierte.

Allzu eng kann freilich das Vertrauen nicht gewesen sein, denn Assange erklärte in seiner Stellungnahme vom 20.08.2011 , in der er schwere Vorwürfe gegen Daniel Domscheit-Berg erhob, zu ADB:

WikileaksAnfang 2010 ging Daniel Domscheit-Berg, (damals Daniel Berg„, „Daniel Schmitt„) (geb. 1978), zuständig für die Aufbewahrung ausgewählter WikiLeaks Backups, eine Beziehung mit Anke Domscheit-Berg ein (damals Anke Domscheit ) (geb. 1968), die als Berufsbezeichnung Direktor für Beziehungen zu Regierungen“ für Microsoft, Deutschland angab.

DDB sagte mir, dass es ADB’s Aufgabe war, sich im Auftrag von Microsoft mit der deutschen Regierung zu verbinden. Er war stolz, dass er bei einer Party im Bundesministerium des Innern als ADB’s Gemahlin war und dass ADB  mit hochrangigen Persönlichkeiten in der deutschen Regierung und in der Bürokratie auf vertrautem Fuß stand.

DDB erzählte mir, dass er in Berlin in ADBs Haus umgezogen sei, ohne jeden Schutz vor Gegenspionage, und so weit gegangen sei, seinen Klarnamen an einem von der Straße her sichtbaren Briefkasten anzubringen, ebenso an der Wohnungstür und dass er nun an diesem Standort arbeiten würde.

An diesem Punkt gab WikiLeaks  eine politische Richtlinie heraus, wonach es nicht zulässig sei, dass DDB in Kontakt mit Quellenmaterial käme.

ADB und DDB hatten innerhalb weniger Wochen geheiratet und ihre Nachnamen auf „Domscheit-Berg“ geändert.

Tja.
So richtig gut riecht das alles nicht, ne? Man könnte fast denken, hier versuche Pham, Anke Domscheit-Berg für künftige Verwendung in der Politik aufzuhübschen.

Assange

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: