Die Froschpiraten

Frosch 2„Quámquam súnt sub aquá, sub aquá maledícere témptant“, so einer der besten Verse, die je gedichtet wurden. „Obwohl sie unter dem Wasser sind, versuchen sie noch unter dem Wasser zu stänkern“. Qua, qua.

Ovid erzählt hier die Geschichte von der Göttin Leto, die von Göttermutter Hera eifersüchtig verfolgt und von der Erde verbannt, Zuflucht auf einem Inselchen in einem Weiher fand und dort die Götter Artemis und Apollo gebar. Die Bauern aber gönnten ihr weder Zufluchtsort noch das Wasser des Weihers, mobbten sie und patschten mit ihren Füßen im Matsch und trübten das Wasser, weil sie es der Göttin verweigerten, Frösche 1entfesselten also aus Missgunst einen waschechten Shitstorm. Wofür Leto sie verfluchte; sie verwandelte sie in Frösche. So konnten sie auf ewig im Matsch paddeln und herum quaken.

Tja. Die berühmt-berüchtigten Zitate des ins Wasser Gegangenen habt Ihr ja gelesen – und etliche noch an Land Gebliebene ließen sich anregen, weiter zu stänkern und zu zetern, wie es anscheinend ihre doch recht froschig anmutende Natur ist.

Es sind übrigens nicht die einzigen berühmten Frösche der Antike, die für eine bestimmte Sorte Mensch stehen. Zu nennen wären da auch noch die Frösche des Aristophanes, die das Wasser bewohnten, über das man zum mehr oder minder höllischen Totenreich fahren musste. Dort, bei den verstorbenen Großen, suchte Gott Dionysos die Dichter zu finden, die es auf Erden nicht mehr gab; da gab es nur noch so was:

Xanthias: Herr, fang‘ ich wohl mit Spaßen, von der Sorte
Der ordinären, stets belachten, an?

Dionysos: Meinthalb, soviel du willst, nur kein: »Das drückt!«
Das laß mir weg; ich hab’s zum Ekel satt.

Xanthias: Doch sonst was Schnurriges?

Dionysos:                                               Nur nicht: »Mein Rücken!«

Xanthias: ’nen Kapitalspaß also?

Dionysos:                                     Ja, zum Henker,
Nur herzhaft los! – Doch hör, kein Wort –

Xanthias:                                                           Wovon?

Dionysos: Dich kackre und du woll’st dir’s leichter machen!

Xanthias: Doch das: »Wenn ich mich länger mit dem Pack
Noch schleppen muß – so knarrt die Hintertür?«

Dionysos: Ums Himmels willen, nein, mir würde übel!

Frosch 3Im griechischen Drama gab es immer einen Chor. Der stellte eine Gruppe bestimmter Leute dar, also Bürger einer Stadt, gefangene Frauen, Krieger – und hier, in Aristophanes Komödie, sank die ehrwürdige, erhabene Institution des Dramas herab zum Chor der Frösche. Zwar versuchte Dionysos trotzdem den üblichen Dialog mit diesem Chor, doch brachte ihm das nur einen Wutanfall ein, denn mehr als „brekkekkekkekkeks koax koax“ bekam er nicht als Antwort.

Es ist eine uralte Metapher. Ödipus, Antigone, weithin bekannt.

Doch zur Ehre des kulturellen Olymp  möchte ich gern auch die ollen Frösche erheben.

Frosch 1Wir sehen ja aus der Lebenspraxis: sie haben es verdient.

Und wenn wir wissen, dass die Viecher vernünftige Menschen schon seit 2.500 Jahren ärgern und zur Weißglut treiben, so dass die Götter selbst Blitze schleudern – dann, denke ich, ist das auch problemlos mit einem wissenden Lächeln zu ertragen.

„Quámquam súnt sub aquá, sub aquá maledícere témptant“, „obwohl sie unter dem Wasser sind, versuchen sie noch unter dem Wasser zu stänkern“.

Jo. So is das nun mal. Im Morast quaken die Frösche.

Froschteich

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