Antideutsches Fußballfest

WM 2014Zuweilen fressen sie ja Kreide , die Antideutschen, um nicht so abseitig zu erscheinen, wie sie sind.  Was den braven Bürgerskindern noch nicht einmal schwer fallen sollte, ist doch der extremistische Anstrich für sie weiter nichts als der Ausbruch aus dem Alltag, der schon mal langweilig wird. Doch – man kann ja nicht immer lieb sein und so finden sich Gelegenheiten, bei denen Spießers Neigung zum rantenden Hooligan durchbricht. Fußball ist da so’n Ding. Fußball walzt eben alles andere platt, schon im Vorfeld.

Die Fußball-WM wirft ihre Schatten voraus.Gartenzwerg Eines der Feste, bei denen der Spießer antideutscher Version sich mal so richtig über andere empören kann, denn genau das tut der deutsche Spießer am liebsten. Da Elke Wittich aka Elquee es gar nicht erwarten kann, hat sie damit schon mal in der Jungle World angefangen. Und dann auch gleich richtig, schon in der Überschrift: Das Schlandpack darf nicht zur Masse werden. Was schon mal auf eine weitere Eigenschaft des deutschen Spießers verweist: er ist kein Massenmensch. Nie nich. Masse sind immer die anderen. Etwas anderes wäre für unsere Egozentriker schier unerträglich. Von daher verweist schon die Überschrift auf ganz gewöhnliche Massenware. Die hat übrigens Tradition. In Mode kam sie im Biedermeier, als der brave Bürgersmann sich mit der Gartenlaube in selbige zurück zog und sich dort über die dumme Masse empörte.
Es ist, nebenbei bemerkt, klar, dass das mit Linkssein nicht das Mindeste zu tun hat. Wer links ist, ist Volk, ist Masse.

Da ich eher links bin, gehöre ich gerne zu ihrem „schwarz-rot-goldenen Pack“. Das Volk bin ich. Sicher nicht alleine, aber ich bin dabei. Mit mehreren schwarz-rot-goldenen Fahnen, Wimpeln, Blumenkette, Käppi und was so alles dazu gehört. Wesentlich auch zum Verleihen. Denn zum Fußballgucken auf die Ringe geht man nicht ohne. Sonst kann man sich nicht unterscheiden und landet womöglich in der falschen Kneipe: da, wo die Blau-Weißen, Grünen, Roten oder diverse Tricolorierte Fußball gucken. Ich gehöre also zu denen, die vor Nationalstolz platzen, sich schon vor dem Spiel besaufen, gefährlich sind, weil sie andere Leute verprügeln, speziell die mit anderer Hautfarbe, ebenso wie die ob des Fußballs ihre juristische Karriere gefährdende Tochter samt ihren Freunden und Kollegen, Deutschland-Pöbel, der nächtens in Fischteiche fällt oder beim Pipimachen in die Baugrube. Äh, wie meinen? Ach so, unsere Gartenlaubenleserin liest das Märchen auf der Kinderseite vor, über Degenhardts Rumpelstielzchen, das am Bahndamm wohnt, wo der Zug verkehrt, der von Schilda nach Schlaraffia fährt. Ja, wenn man die Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nehmen mag, weil sie sich zu wenig für die  Existenz einer in ihren rosaroten Träumen huldvoll vom Balkon lächelnden Linksextremistenprinzessin interessiert …

Nächsten Monat beginnt sie, die Fußball-WM in Brasilien. Ja, es gibt eine Menge ekliger sozialer Probleme im Vorfeld. Aber wir Kölner mögen die Brasilianer, haben vieles mit ihnen gemeinsam und wünschen ihnen alles Gute für ihre WM. Für unser Veedel beginnt sie damit, dass antideutschauf der Dachterrasse des Hauses an der Ecke die Deutschlandfahne gehisst wird. Ordentlich an einer veritablen Fahnenstange. Ich vermute, der Eigentümer ist Polizist, die nämlich dürfen die entsorgten offiziellen Flaggen übernehmen, so richtig mit Adler, wie der Polizist von schräg gegenüber immer eine aus dem Fenster hängen hat. Es wird nicht die einzige sein, auch nicht die einzige in diesen Farben, denn wenn sie nicht umgezogen sind, wird auch die schwedische wieder dort hängen und die aus Mexiko. Und einen Straßenzug weiter an der Hauptstraße dann das Rot mit Halbmond der Türken. Ich werde es auch nicht versäumen, am Volksgarten lang zu fahren; gucken, ob die Italiener wieder ihre mindestens 15 m lange Fahne über mehrere Stockwerke hängen haben.

Voll besetzt werden an den Spieltagen wieder die Cafés und Kneipen an den Ringen sein mit in ihren Landesfarben kostümierten Fans und nach zwei Stunden gibt’s dann den Autocorso der Sieger – wer das Spiel nicht gesehen hat, bekommt so sein Ende mit. Oh ja, es macht Spaß. Es macht Spaß, sich gegenseitig Glück zu wünschen und anzupflaumen, mal Gegner sein, am nächsten Spieltag dann Verbündeter.

Offenbar gibt es in diesem Jahr für die moralinsauren antideutschen berliner Spießer noch eine Extraportion zum Empören: am 21. Juni findet dort der CSD statt. Und Deutschland gegen Ghana. Dürfte klar sein, wer hier den Hauptzulauf erhält.

Selbst dran schuld.  In Köln ist der CSD am 6. Juli. Spielfreier Tag. Natürlich. Was denn sonst. Schwule wollen schließlich auch Fußball gucken.
In diesem Sinne: viel Spaß beim Public Viewing!

Fußball D

 

 

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4 Kommentare

  1. Pavel Elver

    Beneidenswert selbstbewusst, dass Du Sätze wie „wir Kölner mögen die Brasilianer“ und Adjektiv-Klumpen wie „moralinsaure antideutsche berliner Spießer“ ausgerechnet in die Kategorie „Ideologiekritik“ einordnest. Hast Du keine Kategorie „plumpe Vorurteile und Verallgemeinerungen“?

    • Dass Kölner und Brasilianer sich gegenseitig zugetan sind, ist seit der WM 2006 dokumentiert. Damals nämlich beschlossen die brasilianischen Reiseveranstalter, ihre WM-Touristen in Köln und unmittelbarer Umgebung einzuquartieren. Begründung: diese Reise sei sehr teuer und da sollten die Brasilianer auch da ihr Hauptquartier aufschlagen, wo sie mit ihrem Temperament und ihrer Feierfreude willkommen seien. Die ohnehin sambafreudigen Kölner, die nicht nur zu Karneval begeistert ihre Sambatrommeln rühren, waren natürlich stolz und hoch erfreut und auch die Medien berichteten über fröhliche kölsch-brasilianische Verbrüderungsfeiern. Das hat also einen realen Hintergrund.

      Den Adjektivklumpen verteidige ich.
      Zuweilen nenne ich diese überwiegend aus dem doch anscheinend immer noch recht preussisch geprägten Berlin stammenden Antideutschen auch Blauköpp, da ihr moralischer Eifer und ihre Humorlosigkeit den Rheinländer doch außerordentlich an die Zeiten des protestantischen bismarck’schen Kulturkampfes erinnern.

  2. Pavel Elver

    Danke für die Antwort, das hatte ich mir in etwa so gedacht. Dass ein brasilianischer Reiseveranstalter „die“ Brasilianer repräsentiert – geschenkt. Berliner nicht zu mögen – meinetwegen, ich bin ja kein Berliner. Der Kölner an sich ist nicht antideutsch, sagst Du als Kölner, der keine Antideutschen mag, und ugandische Männer sind nicht schwul, sagt der ugandische Präsident, der keine Schwulen mag.

    Das mag alles sein oder – wahrscheinlicher – eben nicht sein. Ich frage aber vor allem, was Statements dieser Art für Dich mit „Ideologiekritik“ zu tun haben – genau sowas IST doch Ideologie, oder nicht?

    • 1. Bitte nicht selektiv lesen. Ich weiß, das tun manche Leute gern, es ist aber nicht korrekt. Die „Verbrüderungsfeiern“ bezogen sich selbstverständlich nicht auf ein paar brasilianische Reiseveranstalter, sondern auf die von ihnen zur WM nach Köln gebrachten Touristen.

      2. Antideutsche mit Homosexuellen vergleichen zu wollen ist in meinen Augen ein Kategoriefehler: Ideologien kann man letztlich wählen, sie sind also willkürlich, Schwulsein nicht.

      3. Bei der Formulierung „der … an sich“ setzt der Kölner (und nicht nur er) eigentlich voraus, dass jeder vernünftige Mensch den humoristischen Einschlag erkennt. Wer das nicht tut, nun – dem ist eben nicht zu helfen.

      4.Ideologie ist für mich stets ein Denken auf Platons Pfaden. Heißt, die Verdoppelung der Wirklichkeit, wie bereits von Artistoteles festgestellt und kritisiert, die in der Praxis zu absurd anmutenden Verkennnungen der Wirklichkeit führt. Es wird eine Wirklichkeit behauptet, die so gar nicht existiert.
      Angesichts des gelebten Multi-Kulti in Köln ist der von antideutscher Seite behauptete deutsche Chauvinismus, der sich in der Beflaggung und sonstigen Dekorationen und Verkleidungen zeige, absurd. Insofern ist dies ein Beispiel.

      Allerdings ist auch immer zu fragen, woher Ideologien kommen, welche Ideen, Gedanken, nicht zuletzt Gefühle in ihnen verwoben sind. Hier gebe ich zu bedenken, ich bin Wittgensteinianer und pfeife auf Adorno und Horkheimer. Ich frage also anhand von Äußerungen nach Meinen, Glauben, Denken, Vorstellen, nach dem zugrunde liegenden Weltbild, aus dem solche Ideologien zusammen gekocht werden.
      Und da finde ich nun mal als Hintergrund den schon von Nietzsche beschriebenen protestantischen Eifer, die Neigung zum Moralisieren und die Verteidigung des angeblich wahren (hier ideologischen) Glaubens, ungeachtet der Tatsache, dass die weit überwiegende Mehrheit nichts davon wissen will und nicht zuletzt – die Humorlosigkeit. Und auch da stimme ich Wittgenstein zu: Humor ist eine Weltanschauung. Man betrachtet die Dinge, die Welt als Ganzes von ihrer Grenze her, denn das ist die Voraussetzung, um z.B. zu wichtig Genommenes, falsche Prioritätensetzung und den Widerspruch zwischen lauthals verkündeten Maximen und praktischem Handeln als Menschlich-Allzu-Menschliches einstufen und fröhlich belachen zu können.

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