Nabi Saleh

Nabi Saleh , erstmals erwähnt 1596, ist ein Dorf in der von Israel besetzten West Bank, etwa 20 km entfernt NabiSaleh 2von Ramallah. Es hat ca. 550 Einwohner und brachte es international  zu einer gewissen Berühmtheit,  die an ein wohl bekanntes gallisches Dorf erinnert.

1976 gründeten Siedler die Kolonie Halamish, auch bekannt als Neveh Tzuf – auf Land, das Nabi Saleh gehört. Also gestohlen. Das nahmen die Dörfler natürlich nicht so ohne weiteres hin. Sie demonstrierten, wandten sich auch an ein israelisches Gericht, konnten jedoch den Bau der illegalen Siedlung nicht verhindern.

Die Siedler klauten immer mehr Land und 2008 beschlossen sie, einen Zaun, also quasi eine Sperranlage, zu errichten – auf Privatland von Nabi Saleh. Zwar ordnete ein israelisches Gericht die Entfernung dieses Zaunes an, was jedoch die Siedler nicht interessierte. Die stahlen statt dessen noch mehr Land und dazu ein paar Wasserquellen, alle auf palästinensischem Privatland.

NabiSaleh 4Im Dezember 2009 beschlossen die Einwohner von Nabi Saleh, jede Woche freitags gegen den israelischen Landraub zu demonstrieren. Friedlich. Der IDF passte das überhaupt nicht und sie versuchten immer wieder, die Demonstrationen aufzulösen und nahmen dazu schon mal 13 % aller Einwohner in Haft, Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Erfahrung haben sie alle. Problem: Nabi Saleh bleibt friedlich. Es ist der gleiche ganz normale, zivile, gewaltlose Bürgerprotest, wie man ihn überall auf der Welt findet. Wer dagegen vorgehen will, schafft sich Ärger an den Hals, ein Teil dieses Ärgers ist im eingangs verlinkten Wikipedia-Artikel dokumentiert.

Am  08. April stürmte abends die notorisch IOF = Israels Occupation Force genannte IDF mal wieder das Dorf, wie üblich unter tüchtigem Einsatz von Tränengas, mit dem inzwischen die Jungs von Nabi Saleh die Routine haben, sich die Kanister einfach zu schnappen und zurück zu schmeißen. Sie widmeten sich besonders dem Haus von Khalil Tamimi – die Tamimis sind eine der großen Familien von Nabi Saleh – wo sie alles kurz und klein schlugen und auch noch 700 Schekel mitgehen ließen. Dann verließen sie das Dorf unter Abfeuern Dutzender Knallkörper, weil es ja so’n Spraß macht, nachts um 4 palästinensische Kinder zu erschrecken, meinte ein Palästinenser.

Am 11. April dann war die wöchentliche Freitagsdemonstration natürlich NabiSaleh 5dem Gedenken an das Massaker von Deir Yasin gewidmet, der 8. April möglicherweise ein verzweifelter Einschüchterungsversuch. Ritualmäßig wurde von der IDF Tränengas gefeuert. „20 bewaffnete Soldaten feuern auf 18 unbewaffnete Palästinenser – tapfere Armee!“ spottete Mariam Barghouti und ein Kanister traf eine Französin am Kopf, die darüber erst mal so wütend wurde, dass sie den Soldaten am liebsten mit bloßen Händen an die Gurgel gesprungen wäre; die Palästinenser verarzteten sie lieber.

Am Dorfausgang wurden zwei palästinensische Frauen und drei internationale Journalisten verhaftet. Im Auto, als sie das Dorf verlassen wollten. Die Journalisten ließ man schnell wieder frei, die Palästinenserinnen behielten sie – angeblich hätten sie Steine geworfen. Glaubwürdig ist das allerdings nicht, denn zumindest eine hatte etwas besseres zu tun, nämlich Mariam Barghouti; die übersetzte für die Journalisten. Sie ist ein 20-jährige Studentin aus der berühmten Barghouti-Familie. Mustafa Barghouti gehörte zu den Initiatoren der „Salz der Erde“ – Kampagne, in der sich Palästinenser demonstrativ, zivil und gewaltlos enteignetes Land zurück holen, beispielhaft Ein Hijleh, woran Mariam Barghouti natürlich auch beteiligt war . Am bekanntesten aber ist Marwan Barghouti, derzeit einsitzend in israelischem Gefängnis und einer derjenigen, die entgegen der Vereinbarung in den Kerry-Verhandlungen von Israel nicht freigelassen wurden. Nicht, dass er ein Terrorist wäre; an Begin dürfte er auch nicht im Entferntesten heran reichen. Er ist Politiker. Und zwar ein so bedeutender, dass man ihm auch  zutraut, Wahlen in Palästina im Knast zu gewinnen. Er strebt nach Wiederanbindung von Gaza und Ausgleich mit der Hamas. Alles Grund genug, so einen gefährlichen Mann besser nicht frei zu lassen und je nachdem, wie Israel sich anstellt, hat Palästina nicht nur eine Kopie von Südafrikas Apartheid-Regime, sondern auch von Südafrikas Mandela.

Miriam Barghouti behielten sie. Erst hieß es, bis Sonntag, jetzt, bis Mittwoch. Mal gucken, was wird.

NabiSaleh 6Am nächsten Tag gab’s wieder tüchtige Zusammenstöße am Dorfeingang und es regnete Tränengas. Die IDF verletzte Oday Tamimi, Bruder des seinerzeit getöteten Mustafa Tamimi, mit Tränengas- und gummiummantelten Geschossen im Gesicht und am Oberkörper, so dass er ins Krankenhaus musste, um die Splitter heraus operieren zu lassen, brachen der 46-jährigen Wijdan Tamimi fast den Arm und erklärten Nabi Saleh schließlich zur militärischen Sperrzone (sowas machen die gern), schlossen die Straße mit Felsbrocken und ließen niemanden mehr rein oder raus, beschossen vor allem jeden, der hinein wollte, mit den üblichen Tränengas- und Blendgranaten.  ‚Nen Bulldozer schleppten sie auch ran, ein bekanntes und gefürchtetes Gerät, und drohten, Nabi Saleh damit platt zu machen. Na ja, empfehlen würde ich das nicht bei der Aufmerksamkeit.

Am 13. April ging die Belagerung weiter. Die Dorfbewohner protestierten natürlich dagegen – und die IDF richtete einen weiteren ‚Checkpoint‘ ein, an der Stelle, wo die Dorfbewohner, die sich natürlich bestens dort auskennen, den Weg über die Berge nahmen, um der Isolation zu entgehen.

Es ist nicht die erste Belagerung; zwei Wochen zuvor war schon ein anderes Dorf, Burin belagert worden; die Methode wird offenbar immer beliebter, es haben eben alle von Meister Gaddafi gelernt: eine ganze Dorf- oder Stadtgesellschaft kollektiv bestrafen? Belagern.

Heute, 14. April, gings dann weiter. Die Dorfbewohner forderten Journalisten und solidarische Menschen auf, nach Nabi Saleh zu kommen und die Blockade zu brechen. Bilal Tamimi, Fotograf, wurde dafür erst mal von der IDF verprügelt. Niemand kam durch die Sperren – nun, ein Bus schaffte es doch. Also, die Insassen. Man kennt sich halt da aus, wo man zu Hause ist. Die IDF verlegte einen weiteren Checkpoint in 10 km Entfernung, damit nicht noch mehr durch kämen, und dann noch weitere ‚fliegende‘ Checkpoints, natürlich flogen wieder die üblichen Tränengas- und Blendgranaten, doch wundersam trotz Sperren verstärkt marschierten die Palästinenser als Protest gegen die Sperren und schließlich musste die IDF nachgeben, denn gegen unbewaffnete Bürger angehen unter den Augen von Presse kommt nicht so gut. Die Sperre wurde beseitigt, die Straße geräumt und Nabi Saleh ist wieder frei.

Nächsten Freitag geht’s dann weiter.

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