#Bombergate: wie man einen Pudding an die Wand nagelt

Während der Berliner Kurier dieses Foto zum Markenzeichen der Piratenpartei etabliert, Bombergate beidehaben nun endlich sowohl der Bundesvorstand der Piratenpartei als auch Anne Helm aka Seeroiber Jenny – gezwungenermaßen – ihre Stellungnahmen zum #Bombergate abgegeben.

Zum zentralen Punkt, nämlich dazu, ob sie die Person rechts auf dem Foto ist, äußerte sich Anne Helm freilich nicht. Anders gesagt, sie ist nicht bereit, für eine Aktion, an der sie offenkundig beteiligt war, auch die Verantwortung zu übernehmen.

Sie schreibt:

Den alliierten Streitkräften zu danken, die das Nazi-Regime besiegten, sehe ich nicht als falsch an. Kriegsopfer dürfen jedoch keinesfalls verhöhnt werden. Das hat kein Mensch verdient, weder die die ihre Leben verloren, noch die Überlebenden.

Allerdings wird dies durch die vorherigen Äußerungen doch erheblich relativiert:

Den Berichten von Zeitzeugen wie etwa Victor Klemperer folgend, stand ein Großteil der Bevölkerung noch hinter dem Naziregime. … Selbstverständlich ist es zu betrauern, dass den Luftangriffe auch Unschuldige zum Opfer fielen.

Das sind dann wohl die Kollateralschäden der offenbar als legitim angesehenen Tötung von Zivilisten, die noch hinter dem Naziregime standen. Die Alliierten sahen das freilich anders. Sie stellten die bei der Entnazifizierung als Mitläufer und Sympathisanten Eingeschätzten nicht an die Wand. Was auch für ihr Vorhaben, in Deutschland wieder rechtsstaatliche Zustände zu errichten, kontrapoduktiv gewesen wäre. Denn zu einem Rechtsstaat gehört wesentlich, dass nur die Tat und nicht die Gesinnung abgeurteilt wird. Es ist typisch für Extremisten, dass sie diesen wesentlichen rechtsstaatlichen Grundsatz missachten, ja, ihn vielleicht noch nicht einmal begreifen.  Es zeigt sich eine totalitäre Grundeinstellung, denn totalitäre Regime unterhalten immer Gesinnungsjustiz.

Ob Anne Helm den Kern des Problems überhaupt begriffen hat? Der nämlich ist das inwzischen verbotene und zudem militärisch sinnlose Flächenbombardement ziviler Wohngebiete. Und nur um das geht es. Es geht nicht um die an den nächsten Tagen erfolgten Angriffe auf militärische Ziele in Dresden, es geht auch nicht um Bombenangriffe überhaupt. Auch nicht um Nazi-Aufmärsche, Geschichtsrevisionismus, das Verhalten der Stadt Dresden mit Blick auf aktuelle Feierlichkeiten und Demonstrationen und erst recht nicht um die von keinem vernünftigen Menschen bestrittene Tatsache, dass der II. Weltkrieg in Europa durch einen deutschen Angriffskrieg ausgelöst wurde. Es geht um die Trauer um die Opfer dieses Flächenbombardements, nicht zu vergessen die Zerstörung von Weltkulturerbe und alles andere sind nur versuchte Ablenkungsmanöver, mit denen man sich um die entscheidende Frage herum mogeln will: wie will Anna Helm vor allem vor den Bürgern Dresdens verantworten, dass sie dies alles mit einem Dank an Bomber Harris mit Füßen tritt? Und das nicht als Mitglied von Femen, denn sie ist kein Mitglied von Femen und es war auch keine Aktion von Femen, sondern als Mitglied einer Partei, die aufgrund vorheriger Wahlergebnisse auch mit Geldern Dresdner Bürger finanziert wird?

Mit dem gleichen Derailing mogelt sich aber auch der Bundesvorstand der Piratenpartei um eine klare Stellungnahme herum. Die Aktion dieser beiden Parteimitglieder habe man „teilweise als Verhöhnung der zivilen Opfer der Bombenangriffe verstanden“ Ja, konnte man sie denn anders verstehen? Wobei an die nun wirklich sinnlose Zerstörung der architektonischen Kunstwerke, über die man sich genau so im Ausland empörte und die – trotz weitgehendem Wiederaufbau – auch alle heute dort lebenden Bürger betrifft, überhaupt nicht gedacht wurde. Die Zerstörung von Weltkulturerbe ist nämlich etwas, was alle halbwegs kunstsinnigen Menschen zutiefst schmerzt, ob es sich um Fresken in Afghanistan, die Umajjadenmoschee in Damaskus, die Bibliothek in Timbuktu oder eben Kathedralen in Dresden handelt. Die Achtlosigkeit Kulturgütern gegenüber, die daraus spricht, ist schon sehr bedenklich.

Wir identifizieren uns nicht damit und heißen sie auch nicht gut“ erklärt der Bundesvorstand. Doch zu geforderten Konsequenzen mag er sich nicht durch ringen. Statt dessen eben – Derailing: aus der Täterin Anne Helm macht er flugs das arme Opfer, dem er beistehen muss, sozusagen ein caritativer Akt. Massive Anfeindungen bis hin zu Gewaltandrohungen aus dem rechten Spektrum habe es gegeben – als wenn es für diese Aktion nicht breite Ablehnung und entsprechende Anfeindung aus der gesamten demokratischen Bürgerschaft bis hin zur nicht extremistischen Linken gäbe! Und mit derlei Anfeindungen muss man nun mal rechnen, wenn man eine solche Aktion macht, wenn man kein Stroh im Kopf hat. So, wie auch Ali Utlu mit Anfeindungen und Bedrohungen rechnen musste, als er sich öffentlich gegen Beschneidung aussprach; was er auch getan hat, ohne großes Gewese darum zu machen. Wer kontrovers Stellung bezieht, muss nun mal in Kauf nehmen, sich Feinde zu machen, alles andere ist kindisch.

Selbstverständlich rechtfertigt das keinerlei Gewalttaten. Aber Mut und Tapferkeit gehören nun mal zur Politik dazu – und wer die nicht zeigt, wird auch nicht respektiert. Der Bundesvorstand der Piratenpartei zeigt sie nicht. Weswegen ihm nicht nur die potentiellen Wähler, sondern auch die restlichen mutigen und tapferen Piraten davon laufen.

Wer bleibt?
Das Leittier der Antideutschen in der Piratenpartei: Oliver Höfinghoff, Abgeordneter in Berlin.
Der twitterte eben: Solidarität mit Seeroiber Jenny ist wichtiger als Deutschland!

 

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6 Kommentare

  1. KSchlonz

    Ah, so ne Antideutschenpartei waehl ich nicht.
    Wusste vorher nicht mal dass es die Antideutschen gibt.
    Haetten die ja ruhig mal auf ihre Wahlplakate schreiben koennen.
    Aber naja, Pirat = seefahrender Moerder; haett ich sowieso ungern als Machthaber gehabt.

    • Helmpflicht für Fußgänger!

      Der Begriff „anti-deutsch“ ist irreführend. Es ist ein realitätsferner Kampfbegriff gegen politische Gegner (Antifaschisten) mit dem Ziel, das Gegenüber zu diffamieren. Es geht den vermeintlich „Anti-Deutschen“ gar nicht darum, Deutschland abzuschaffen oder die Zivilbevölkerung zu vernichten, sondern es geht ihnen darum, ein zweites Nazi-Deutschland zu verhindern. Mensch > Nation…ist das so schwer zu verstehen? Der Begriff „anti-deutsch“ und die damit fehlgeleitete Argumentation grenzt an Verleumdung. „Antifaschistisch“ wäre treffender.

      Und weil ich den Eindruck habe, dass viele schlecht informiert sind und deswegen die Causa „Bombergate“ falsch einschätzen: Der Protest von Anne Helm richtet sich nicht gegen die Zivilbevölkerung oder Deutschland. Es ist ein antifaschistischer(!) Protest gegen die Nazis, die die Trauermärsche in Dresden organisieren und Nazi-Deutschland als Opfer inszenieren. Der Trauermarsch in Dresden wird u. a. von folgenden neofaschistischen Gruppierungen getragen: Freie Nationalisten aus Dresden, NPD Kreisverband Dresden, Freier Widerstand Oberhausen, Autonome Nationalisten aus Groß-Gerau, Die RECHTE Rhein-Erft, usw. (Quelle: http://www.gedenkmarsch.de/dresden/unterstutzer/).

      • Das ist so nicht richtig.
        Es ist nämlich noch lange nicht jeder Antifaschist antideutsch; dem hier durchschimmernde Versuch, den Antideutschen das alleinige Monopol auf Antifaschismus zuzuweisen, wird ganz entschieden widersprochen.
        Dass der meines Wissens zuerst von den Antideutschen gebrauchte Begriff sich eingebürgert hat, ist bei dem, was von dieser Seite an Texten, Liedern und Parolen gekommen ist, nicht verwunderlich. Die nämlich sind vielfach anti deutsch.
        Es handelt sich also um eine zutreffende Beschreibung und nicht um einen Kampfbegriff.

        Was das Vernichten der Zivilbevölkerung durch Antideutsche betrifft – nun, das kann man durchaus hier und da vernehmen; ernst nimmt man es freilich nicht, denn sonst würde man sie bitte, bei sich selber damit anzufangen.
        Es gibt durchaus Antideutsche, und gar nicht mal so wenige, die Deutschland damit abschaffen wollen, dass sie es in der EU aufgehen lassen.Sie fragen die anderen Staaten aber nicht, ob die das auch wollen; angesichts der EU-Wahlergebnisse behaupte ich, sie wollen es nicht.
        Und zwar deswegen nicht, weil sie eben keine Deutschen sind und auch keine Deutschen werden wollen; die wollen nämlich das bleiben, was sie sind und das ist ihr gutes Recht.
        Tatsächlich sind die Antideutschen in großer Mehrheit nämlich entsetzlich provinziell. Denen fehlt jegliches Gespür dafür, dass andere Kulturen andere Prioritäten setzen, andere Werte haben, andere Traditionen und dies nicht aufgeben wollen, weil ein Häuflein Antideutscher seine Neurosen pflegt und nicht begreift, dass Nationen etwas sind, auf das Menschen großen Wert legen – und zwar ohne damit den berüchtigten Chauvinismus zu verbinden.
        Der Antinationalismus der Antideutschen ist in Wirklichkeit sehr nationalistisch, weil er die Unterschiede gar nicht erkennt.

        Die Methoden, mit denen die Antideutschen ein zweites Nazi-Deutschland zu verhindern suchen, halte ich für völlig ungeeignet, teilweise schon kontraproduktiv.
        Erst einmal besteht die Gefahr derzeit nicht. Man möge bitte Aktivitäten, Resonanz und Wählerstimmen aus den europäischen Ländern miteinander vergleichen, da wird man feststellen, da ist in Deutschland so gut wie nichts. Natürlich gibt es hier und da problematische Regionen, meines Wissens aber fast nur jenseits der Elbe, wo wir im fernen Westen auch unsere Schüler nicht auf Klassenfahrt hin schicken, allerdings stehe ich auf dem Standpunkt, dass diese Regionen ihr Revier gefälligst selber rein zu halten haben. Hier erinnere ich gerade an Dresden als Beispiel. Da marschierten vor Jahren nämlich noch Rechtsradikale mit Trommeln und Stiefeln am 13. Februar durch Dresden. Das geht heute nicht mehr, dafür haben die Dresdener gesorgt. Der Marsch, gegen den Anne Helm hätte protestieren wollen, der fand am Vortag statt, mit jämmerlichen 500 Mann.

        Es gab keinerlei vernünftigen Grund, am 13. Februar diese Aktion zu veranstalten, die sich im Kontext nur gegen die Bürger richten konnte.

  2. grafenburger

    Dabei wird noch ein weiterer, mir bedeutsamer Aspekt, vergessen:

    Am 14.11.1940 wurde Coventry von deutschen Bombern mit zahlreichen Opfern dem Erdbodden gleichgemacht. Dabei wurde der historische Stadtkern – einschließlich der Kathedrale – fast vollständig zerstört. Am 14+14.2.1945 erlitt Dresden das gleiche Schicksal.

    Heute sind Dresden und Coventry Partnerstädte und am Mahnmal – GEGEN KRIEG UND GEWALT – an der Ruine der Kathedrale, sowie an weiteren Stellen der Stadt findet sich folgendes Bibelzitat:

    Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen
    Und ihre Spieße zu Sicheln machen.
    Es wird kein Volk wider den anderen das Schwert erheben,
    und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

    Die unreife und nicht durchdachte Aktion von Anne Helm ist hierbei auch ein Schlag ins Gesicht derer, die sich – auf beiden Seiten – für Frieden, Ver/Aussöhnung einsetzen und weiterhin einsetzen.
    Das dabei auf Twitter (leider inzwischen gelöscht) gemeinsame Treffen als „Saufgelage alter Männer“ verhöhnt wurden, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

    Wir haben Anne Helm die Frage gestellt ob sie eine Bitte um Entschuldigung – außerhalb der Piratenpartei – für angebracht hält. Eine Antwort darauf ist nicht erfolgt.

    http://www.friedenskooperative.de/ff/ff04/1-68.htm
    http://www.coventrycathedral.org.uk/about-us/our-reconciliation-ministry/coventry-cathedral-memorial-ruins.php

  3. Axel S.

    Wie einer der Kommentatoren bereits schrieb: Das war ein Protest gegen die Nazi-Aufmärsche und nichts anderes. Die, die jetzt rumheulen, das sind entweder Nazis, die an dem Aufmarsch teilgenommen haben oder verkappte Nazis, die mit rechtsradikalem Gedankengut sympathisieren, es aber bei jeder Gelegenheit abstreiten, obwohl es eigentlich offensichtlich ist.

    „Was das Vernichten der Zivilbevölkerung durch Antideutsche betrifft […]“

    Das ist ein klassischer Fall von Wahrheitsverdrehung, die im rechten Spektrum üblich ist: Die Deutschen sind immer die Opfer. Deutsche Neonazis töten seit Jahrzehnten Menschen auf offener Straße und wer dagegen (auf polemische Weise) protestiert, der bekommt sofort vorgeworfen, die Zivilbevölkerung in Deutschland zu töten. Und das macht natürlich auch Sinn…

    • Gegen Naziaufmärsche wird überall in Deutschland protestiert – ohne Bomber Harris.
      Was mich gewaltig stört, ist Eure provinzielle (ich kann es nicht anders nennen), auf Deutschland reduzierte Denkweise. Leute wie Du haben offenbar überhaupt nichts anderes im Kopf als Deutschland, deutsche Geschichte, interne deutsche Fragen und Probleme.
      Nein, es ist ganz anders.
      Was ich dabei im Kopf habe, ist Vietnam, ist der Irak, ist Syrien, inzwischen sogar Gaza.
      Wobei ich Georgien und Tchetchenien nicht unerwähnt lassen will; wir wissen nur zu wenig darüber.
      Überall dort wurde und wird der Tod hunderter oder gar tausender Zivilisten mit fadenscheinigen Begründung in Kauf genommen. Und teilweise gibt es – man denke an Assads Fassbomben – auch Flächenbombardements ziviler Wohngebiete.
      Diese Flächenbombardements, heute allgemein Terrorangriffe genannt, wurden nicht umsonst von der UNO völkerrechtlich wirksam verboten.
      Es ist ausgeschlossen, dieses Verbot international achten und schützen zu wollen, genau solche Bombardierung von Zivilisten in Dresden aber auch noch zu feiern, wie es Anne Helm und insbesondere Julia Schramm tat. Es ist rechtswidrig, es ist im Sinne der humanen Ethik verabscheuungswürdig – und Du kannst sicher sein, dass niemand, auch nicht die Briten, auch nur das geringste Verständnis für solche Aktionen hat. Weil sie Völker- und Menschenrecht aushebeln.
      Klipp und klar gesagt: wer Bomber Harris feiert, gibt Assad den Freibrief zum Einsatz seiner Fassbomben.
      Ja, ich weiß, so weit habt Ihr nicht gedacht. Aber Ihr habt so weit zu denken. Das gehört zur politischen Verantwortung.
      Also: denkt gefälligst mal nach, wie solche Aktionen außerhalb Eurer kleinen Welt ankommen.
      Und hängt Euch bitte über’s Bett: Deutschland ist nicht der Nabel der Welt.
      Wer sich in die Welt integrieren und friedlich mit ihr leben will, der muss auch gucken, was die anderen wollen und denken.

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