Popcorn: Höfinghoff ./. Lange

Da sich nunmehr die B.Z. der Angelegenheit angenommen hat, erscheint eine Zusammenfassung der Story nicht unsinnig.

Ausgangpunkt ist eine Veröffentlichung der Berliner Antifa auf Indymedia vom 15.12.2013, Titel: Lars Dickhoff – Fotograf und (Ex?) – Nazi. Dies verwunderte etwas, denn Dickhoff war jahrelang der beste Freund und Intimus von Oliver Höfinghoff (Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses) und seiner ehemaligen Lebensgefährtin Mareike Peter; in Köln ist er zudem in unguter Erinnerung, gehörte er doch zu den den 3 Pirantifa-Leute, die damals die INDECT Demonstration wegen angeblicher Kontakte zur PdV torpedierten (wie seinerzeit die Pirantifa agierte, lässt sich teilweise hier nachlesen unter IV. Sturmtrupp Pirantifa). Nun also ließen sie ihn fallen; warum? Eine Frage, die zu mancherlei Spekulationen führte, bis hin zu der Frage, ob Höfinghoff wegen seiner Bundeswehr-Vergangenheit nicht etwa ein V-Mann der Regierung sei.

Dickhoff hatte zusammen mit Höfinghoff  und dessen nunmehrigen Mitarbeiter, dem einschlägig bekannten Harry Liebs,  die Keineinzelfall-Konferenz im Sommer 2012 vorbereitet. Auf der gab es offenbar einen Streit, was den Nicht-Piraten Peter Loh veranlasst hatte zu recherchieren und auch richtig Dickhoffs NPD-Vergangenheit aufzudecken. Dass dies seit anderthalb Jahren seinem engeren Umfeld verborgen geblieben sein soll, erscheint in der Tat recht unwahrscheinlich. Auch seinem engeren Umfeld blieb dieser Umstand nicht verborgen; immerhin soll er es „offen kommuniziert“ haben.

All die verschiedenen Spekulationen, die über diese seltsame Angelegenheit im Umlauf waren, veranlassten Simon Lange am 29.12.2013 zu dieser Nachfrage per Twitter:

@riotbuddah Hast Du Deinen Buddy (dessen NPD-Vergangenheit Du kanntest) auf indy an Pranger gestellt, weil Mareike angeb. nicht treu war? oO

@riotbuddah Ich frage Dich hier direkt weil genau in der Szene ein wenig Verwirrung bezüglich der Vorgänge vorletzter Woche besteht.

@riotbudda Und unter anderem diese These als Erklärungsversuch die Runde macht. Da frage ich halt lieber mal nach als mit zu spekulieren. 😉

Was Höfinghoff dazu veranlasste, seine Grundrechte vermittels Inanspruchnahme des in derlei Angelegenheiten nicht unbekannten Berliner Anwalts und Piraten Löffelmacher zu wahren. Der übersandte ihm ein Unterlassungbegehren, dazu mit dem Hinweis, veröffentlichen dürfe Lange das aber nicht: „Ich weise Sie darauf hin, dass gegen
jede Veröffentlichung des Schriftsatzes im Internet umgehend gerichtlich
vorgegangen wird.“ Was Lange freilich nicht daran hinderte, es trotzdem zu veröffentlichen.

Das Unterlassungsbegehren beruft sich auf die falsche Tatsachenbehauptung, lt. Lange habe Höfinghoff den Artikel auf Indymedia verfasst. Freilich geht das zumindest aus diesen dort zitierten Tweets nicht hervor. Wenn man Informationen lanciert, heißt das noch lange nicht, dass man den entsprechenden Artikel auch eigenhändig schreibt; es ist noch nicht mal nötig, das berühmte „wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete …“ hinzu zu setzen. Medienalltag.

Insofern wäre auch nicht nötig gewesen, dass die Jungle World Journalistin Elke Wittich Höfinghoff hilfreich zur Seite springt:

Elqee

Es ist allerdings auch nicht weiter verwunderlich, leistet Frau Wittich ihren antideutschen und israel-fanatischen Freunden in der Piratenpartei gerne mal den einen oder anderen Dienst.

Immerhin erfährt man aus dem Anwaltsschreiben, was Lange zuvor wohl nur vom Hörensagen bekannt gewesen sein mag: „Eine Mareike Peter war die Lebensgefährtin meines Mandanten.“ Wenn eine gar medienöffentlich geführten Beziehung (immerhin hatten die die Anstellung Peters bei Höfinghoff problematisiert) unter Piraten zerbricht, so war dies mit Sicherheit nicht geheim zu halten. Wenn dann auch noch in zeitlichem Zusammentreffen der merkwürdige Artikel auf Indymedia erscheint, muss man sich nicht wundern, wenn die Gerüchteküche zu brodeln beginnt. Langes Erklärung „Ich durchsteche nur das Tuscheln und spreche sie (die Verdächtigungen) direkt an“ erscheint also durchaus glaubwürdig. Sich per diskreter Email an Höfinghoff zu wenden, wie Löffelmacher meint, erscheint demgegenüber doch reichlich weltfremd, denn wenn zwei gegnerische Lager lange schon mit Gift und Galle aufeinander eindreschen, dann kann man derlei Rücksichtnahme nicht erwarten. Das gehört zum Menschlich-Allzu-Menschlichen. Wer Krieg führt, darf sich nicht beschweren, wenn geschossen wird. Und wer das doch tut, sollte sich danach besser nicht über süffisante Bemerkungen wundern.

Nebenbei bemerkt: wer den Schriftsatz liest wird feststellen, außer, dass Höfinghoff den Artikel eigenhändig geschrieben habe – was so gar nicht behauptet wurde – wurde in ihm nichts dementiert.

Der Vollständigkeit halber sei zugefügt, dass nunmehr auch Löffelmacher selbst ein Unterlassungsbegehren in eigener Sache verfasst hat: er beschwert sich, „ekeliger Abmahnanwalt“ genannt zu werden. Ob er damit durch kommt? Sicher erscheint mir das keineswegs. Denn im Unterschied zu „durchgeknallt“, was eben vom Bundesverfassungsgericht als Verletzung des Persönlichkeitsrechts beurteilt wurde, bezieht sich „ekeliger Abmahnanwalt“ nur auf das Ekelgefühl dessen, der das sagt, ist also rein subjektiv. Denn, christliche Nächstenliebe in allen Ehren – in der Lebenspraxis funktioniert sie regelmäßig nicht.

Es spricht übrigens auch nichts dafür, dass mit dem „Kinder bedrohen“ Löffelmacher gemeint gewesen sein soll; Sippenhaft und ähnliches ist schließlich von anderen bekannt.

Aber wahrscheinlich kennt Löffelmacher sich mit Twitter noch nicht so recht aus, denn Absicht mag man ihm nicht unterstellen.

Update

Offenbar ist Löffelmacher nun entschlossen, sich dem Latrinenwesen auf Twitter etwas gründlicher zu widmen:

Löffelmacher

Mir kommt dabei unwillkürlich eine mittelalterliche Profession in Köln in den Sinn: die Goldgräber. Zweifellos notwendige und nützliche Leute; allerdings durften sie ihren Beruf nur des Nachts ausüben. Die übliche Bezeichnung „Goldgräber“ war etwas euphemistisch; präziser wurden sie auch „Schyssesfeger“ genannt.

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